Köpfe im Wahlkampf
Die Spitzenkandidaten bei der Landtagwahl in Rheinland-Pfalz

Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. (Archivbild) Foto: Hannes P. Albert/dpa
Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. (Archivbild) Foto
© Hannes P. Albert/dpa
Menschen machen Politik. Nicht nur Inhalte, sondern vor allem auch Personen bestimmen die Wahlentscheidung. Wer wird als sympathisch und kompetent wahrgenommen?

Sieben Parteien haben in Rheinland-Pfalz bei der Wahl am 22. März eine Chance, in den Landtag zu kommen. Um den Posten des Ministerpräsidenten konkurrieren Regierungschef Alexander Schweitzer (SPD) und sein Herausforderer Gordon Schnieder (CDU). Wer sind die Kandidaten?

SPD

Alexander Schweitzer (SPD) kämpft den Kampf seines Lebens. Der 52 Jahre alte Pfälzer will Ministerpräsident bleiben, stellt sich aber erstmals dem Votum der Wählerinnen und Wähler. Den Posten als Regierungschef übernahm der 2,06-Meter-Mann im Sommer 2024 von der aus persönlichen Gründen zurückgetretenen Malu Dreyer. Seither reist er rastlos durchs Land. "Am Ende zählt immer die Nähe zu den Menschen", ist seine Überzeugung.

Schweitzer setzt sich als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz für die prekäre finanzielle Lage der Kommunen ein. Politisch bringt sich der stellvertretende SPD-Bundeschef oft und gerne in Berlin mit einer klaren Meinung ins Spiel.

 

Der große Fan der Britpop-Band Oasis verbrachte die ersten sechs Jahre seines Lebens mit seiner Familie auf einem Binnenschiff und lebt seither in Bad Bergzabern in der Südpfalz. Schweitzer hat drei Kinder und ist mit einer Lehrerin verheiratet. Zur Familie gehört der Hund Mimi. Schweitzer spielte in der Jugend Basketball und ist großer Fan des 1. FC Kaiserslautern. Seit rund zehn Jahren lebt er vegan.

CDU

Gordon Schnieder führt die CDU als Partei- und Fraktionschef. Der 50-Jährige ist nach einem Machtkampf bei den Christdemokraten nach der Wahlniederlage 2021 als Sieger hervorgegangen. Seitdem ist er auf Tour durchs Land, um sich bekannt zu machen. Es ist sein erster Wahlkampf als Spitzenkandidat. 

Beim Wandern bekommt der dreifache Vater den Kopf frei. Schnieder lebt mit mehreren Generationen unter einem Dach auf dem Dorf in Birresborn in der Eifel.

Sein älterer Bruder Patrick (auch CDU) ist Bundesverkehrsminister in Berlin. In die Bundeshauptstadt zieht es Gordon, der fast genauso viele Zentimeter an Körperlänge misst wie der amtierende Schweitzer, nicht so sehr. Schnieder, der gerne deftig und Fleisch isst, sieht sich als Rheinland-Pfälzer und nicht als Bundes- oder Europapolitiker. 

AfD

Jan Bollinger wurde in Koblenz geboren und ist in Neuwied aufgewachsen. Im Urlaub reist der 48-Jährige gerne an Nord- und Ostsee, wandert auf den Rheinhöhen am Mittelrhein, fährt Rad und hört Rock sowie Metal wie Metallica. Bollinger hat Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitete einige Jahre als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe. 

Bollinger trat im Jahr 2013 in die AfD ein. Seit 2016 sitzt er für die Alternative für Deutschland im rheinland-pfälzischen Parlament. Nach einem parteiinternen Machtkampf übernahm er 2022 erst den Landesvorsitz von Michael Frisch und im Anschluss auch noch den Vorsitz der Landtagsfraktion.

Grüne

Katrin Eder wollte eigentlich nach dem Abitur Meeresbiologie in Kiel studieren. In ihrer Geburtsstadt Mainz wurde es dann ein Studium der Politik, Soziologie und des öffentlichen Rechts. Ihre ersten politischen Erfahrungen sammelte Eder im Mainzer Stadtrat in der Sozialpolitik. Als Verkehrs- und Umweltdezernentin war die 49-Jährige rund zehn Jahre in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt im Einsatz. 

Die amtierende Klimaschutz- und Umweltministerin bezeichnet sich selbst als hartnäckige Kämpferin und ehrlichen Typ. "Deshalb polarisiere ich auch." Eder ist Mutter von zwei kleinen Kindern, leidenschaftliches Mitglied von Fußball-Bundesligist Mainz 05 und meist mit dem Rad unterwegs. 

Linke

Rebecca Ruppert hat in den Niederlanden und Österreich studiert, für die Landesregierung absolvierte sie ein Praktikum in Brüssel. Danach entschloss sich die 37-Jährige, nach Rheinland-Pfalz zurückzukehren. Nach dem Studium arbeitete Ruppert in der IT-Beratung und beriet dabei vor allem Behörden bei der Verwaltungsdigitalisierung. Seit dem Jahr 2000 ist sie Mitglied bei der Linken und seit 2024 Landesvorsitzende. 

Ruppert wurde in Mainz geboren und wohnt mittlerweile in Rheinhessen. Sie spricht fließend Niederländisch, Französisch und Englisch. Wenn es in ihrem Leben nicht um Politik geht, spielt sie gerne Volleyball und liest.

FDP

Daniela Schmitt war im Verein als Leistungsschwimmerin aktiv und fährt gerne Ski – traditionell direkt nach Weihnachten. "Die Bewegung, die frische Luft und der Sport sind der ideale Ausgleich", sagte die 53-jährige Rheinhessin. Die FDP-Spitzenkandidatin hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Vor ihrer Karriere in der Politik war sie Regionaldirektorin bei der Mainzer Volksbank. In die FDP trat Schmitt erst mit über 30 Jahren ein. 

Schmitt war Wirtschafts-Staatssekretärin unter dem langjährigen FDP- Landesvorsitzenden Volker Wissing. In dem Amt als Wirtschaftsminister folgte sie ihm nach der Landtagswahl 2021 nach. Als FDP-Landeschefin wurde sie im April 2025 gewählt – mit einem Ergebnis von 67,5 Prozent der gültigen Stimmen und einem parteiinternen Machtkampf. Schmitt gilt als bodenständig und verantwortungsbewusst und lebt mit ihrem Mann in ihrem Geburtsort Alzey bei Mainz.

Freie Wähler

Joachim Streit hat nach den Querelen innerhalb der Freien Wähler wieder Führungsverantwortung ergriffen. "Hätte ich gesehen, dass die Fraktion zerbricht, wenn ich nach Brüssel gehe, wäre ich nicht gegangen", sagte der 60-Jährige bei seiner Kür zum Spitzenkandidaten. 

Der gebürtige Trierer hatte die Freien Wähler 2021 erstmals in den Landtag in Mainz geführt, war aber nach der Europawahl ins Europaparlament gewechselt. Bei einem Wiedereinzug seiner Partei in den Landtag will er nach Mainz zurückzukehren – diesmal für die gesamte Wahlperiode. Er ist der Einzige der sieben Spitzenkandidaten, der in keinem Wahlkreis direkt kandidiert. Der langjährige Bürgermeister und Landrat sieht sich als Stimme der Kommunen. Streit ist Jurist und dreifacher Vater.

dpa