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Bushido gegen Abou-Chaker-Clan Am Montag sagt Bushido erneut als Zeuge aus. Es geht um ein Tape – und seine Glaubwürdigkeit

Kann Bushido beweisen, dass er erpresst wurde?
Kann Bushido beweisen, dass er erpresst wurde?
© Sebastian Willnow / DPA
Diesen Montag, um 9.30 Uhr, beginnt die entscheidende Phase im Mammutprozess gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder. Bushido, Kronzeuge und Nebenkläger, muss wieder in den Zeugenstand. Schafft er es, durch eine Tondatei genährte Zweifel an seinen bisherigen Aussagen zu entkräften? 

Bushido soll im Saal 500 des Landgerichts Berlin zu dem illegal angefertigten Gesprächsmitschnitt befragt werden, über den der stern im Februar exklusiv berichtete – und der nun als Beweismittel angehört und erörtert werden soll. Im Auftrag des Gerichts hat das Landeskriminalamt die Audiodatei verschriftet.

Sie dokumentiert ein Treffen am 18.Januar 2018, das für die Hauptvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Arafat Abou-Chaker zentrale Bedeutung hat. Bushido soll dabei nach eigenen Angaben im Büro von Abou-Chaker eingesperrt, bedroht, geschlagen und erpresst worden sein. 

 

Zum Beispiel soll Arafats jüngerer Bruder Yasser zu Beginn des Treffens, nachdem der Clanchef den Raum abgeschlossen habe, geäußert haben: "So, und jetzt wirst du hier erst wieder lebendig rauskommen, wenn du die Wahrheit sagst." So hat es Bushido ausgesagt.

Oberstaatsanwältin Petra Leister nimmt diese Behauptung ihres Kronzeugen für bare Münze und argumentiert vor Gericht damit. Auf dem Mitschnitt ist die angebliche Drohung stern-Recherchen zufolge nicht enthalten. Ein Vergleich der vielen Aussagen von Bushido mit dem Tondokument könnte vor Gericht weitere Widersprüche zutage fördern.

Ein Freispruch steht im Raum

Anwälte des Rappers schüren seit Bekanntwerden der Existenz der Tondatei Zweifel an Echtheit und Vollständigkeit des Mitschnitts, ohne Beweise zu liefern. Ein renommierter Audioforensiker, der das Band wochenlang analysiert hatte und vom stern befragt wurde, sieht das anders. Schon vor Monaten nahm das Landgericht Berlin Kontakt zu verschiedenen Gutachtern auf, bislang ist keine Einschätzung publik. Womöglich hat auch die Bushido-Seite einen Spezialisten involviert. 

Denn: Wenn der Mitschnitt nicht manipuliert ist, sieht es schlecht aus um Bushidos Glaubwürdigkeit, die nach Verurteilungen wegen Betrugs- und Steuervergehen ohnehin nicht die Beste ist.

 

Das Gericht geht bislang offenbar nicht davon aus, dass er beweisbar erpresst oder seiner Freiheit beraubt wurde – so jedenfalls fasste der Vorsitzende Richter seine vorläufige Sicht auf den Stand der Beweisaufnahme Anfang Juni zusammen. Ein Freispruch für den Mitangeklagten Nasser Abou-Chaker steht im Raum; ein gegen den weiteren Bruder Yasser erlassener, aber ausgesetzter Haftbefehl ist seit vergangener Woche aufgehoben. 

Sicht der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft sah den Stand der Dinge in einer Stellungnahme völlig anders. Und argumentierte dabei erneut vor allem mit Schilderungen "des Zeugen Ferchichi", wie Bushido bürgerlich mit Nachnamen heißt.

Auf den detaillierten, oft szenischen Darstellungen ihres Kronzeugen gegenüber Ermittlern, die Bushido auch vor Gericht wiederholte, beruhen in diesem spektakulären Clan-Verfahren die Hauptvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Arafat Abou-Chaker. 

Die Tondatei vom 18.Januar 2018 könnte deutlich machen, wie wahr sie sind.


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