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Greta Thunberg im stern Ist das echt? Die Geschichte hinter dem Öl-Titelbild mit der Klimaschutz-Ikone

Klimaaktivistin Greta Thunberg in Öl gecovert
Klimaaktivistin Greta Thunberg: "Ich bin immer noch Greta, aber es ist heute ein anderes Gefühl, ich zu sein."
© Marcus Ohlsson / Trunk Archive
Wie inszeniert man die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg für ein Magazin-Cover? Diese Frage führte diese Woche in der stern-Redaktion zu einem kleinen Generationenkonflikt.

Klimaproteste sind Jugendproteste. Und natürlich steht hinter den Klimaprotesten auch ein massiver Generationenkonflikt, nämlich der wütend vorgebrachte Vorwurf, die Älteren würden mit ihrer Lebensweise den Jüngeren die Zukunft rauben. Niemand verkörpert den Klimaschutz wie Greta Thunberg. Die mittlerweile 19 Jahre alte Ikone der Bewegung löste in dieser Woche auch in der stern-Redaktion einen kleinen Generationenkonflikt aus, als es darum ging, wie wir sie auf unser Cover heben: So, wie man sie erwarten würde, also zornig, mit ölverschmiertem Gesicht, als eine Art Aufschrei gegen den ungenügenden Kampf gegen die Klimakatastrophe, gerade in Zeiten der Dauerkrisen? Oder doch fröhlich lachend, voller Zuversicht, ja, glücklich, wie sie sich während des langen und sehr persönlichen Gesprächs mit unserem Kollegen Jonas Breng trotz aller Sorgen um unsere Welt gegeben hatte?

Über diese zwei Covermotive entbrannte eine heftige Diskussion. Alle Jungen waren vehement für das Foto mit dem Öl, weil wir sie als ernstzunehmende politische Aktivistin behandeln sollten; das weichere Titelbild lehnten sie kategorisch ab, weil es Greta wie ein kleines Mädchen aus dem Familienalbum zeige – und wir damit sie und ihr Anliegen infantilisieren würden. Die Älteren waren fast alle gegen die ölverschmierte Greta, fanden es abstoßend, zombiehaft – und sie sei auch nicht gut zu erkennen. Das Foto einer glücklichen Greta sei viel überraschender.

Klimaaktivistin Greta Thunberg
Klimaaktivistin Greta Thunberg: "Tatsächlich bin ich so glücklich wie niemals zuvor. Vielleicht, weil ich einen Sinn spüre, weil ich weiß, dass es richtig ist, was ich tue."
© Andreas Reeg

Greta Thunberg im stern: Wie das Titelbild mit dem Öl entstand

Nach langen Diskussionen entschieden wir uns für das Öl-Motiv, weil es das stärkere Titelbild ist. Ein Hingucker. Die Resonanz ist groß. Es gibt mittlerweile viele Nachfragen zu diesem Foto. Nein, es ist keine Montage. Nein, es ist auch kein echtes Rohöl. Der Fotograf Marcus Ohlsson, Porträt- und Modefotograf aus Stockholm, hatte die Idee, Greta als eine Art menschliche Ölverschmutzung zu inszenieren. Und überraschend für alle – Greta ging darauf ein. Was von ihrem Kopf tropft, über die Nase und Wangen auf die Schultern läuft, ist eine Mixtur aus (nichtgiftigen) Fingerfarben und Olivenöl.

Erstmals wurde diese Fotoreihe in der Wochenendbeilage "Saturday" der englischen Zeitung "The Guardian" gedruckt. Greta sagte nach dem Fototermin: "Ich hatte ein Band im Haar, um meine Haare nicht schwarz zu färben, aber dann ist die Flüssigkeit durch das Band hindurch gesuppt, so dass meine Haare komplett schwarz waren. Es war sehr schwierig, alles wieder abzubekommen."

Am Ende brauchte Greta für die Reinigung ihrer persönlichen Ölverschmutzung fast einen ganzen Tag.

les

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