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Kunstführung für Hunde Auf vier Pfoten durchs Museum hecheln


Ungewöhnliche Geräusche kommen aus einem Berliner Museum - ein Trippeln, Jaulen, Bellen und Fiepen. Hier müssen die Hunde heute nicht draußen bleiben. Im Gegenteil, es gibt sogar Bilder auf Schnauzenhöhe. Nur eins dürfen sie nicht: Das Bein heben!

Es gibt viele Orte, an denen Hunde unerwünscht sind. Dazu gehören Restaurants, Supermärkte, Krankenhäuser - und eigentlich auch Museen. Bis jetzt: In Berlin bekommen Hunde jetzt sogar eigene Führungen. Eines ist dabei tabu: Bein heben an den Ausstellungsstücken. Ein knappes Dutzend Hunde, vom Mops bis zum Mischling, kam am Mittwoch in das Berliner Kupferstichkabinett. Dort läuft gerade die Ausstellung "Wir kommen auf den Hund!". 

Zu ausgewählten Terminen dürfen Besucher währenddessen auch MIT einem Hund kommen. Frei Schnauze können die Vierbeiner die Schau allerdings nicht erkunden: Am Ende der Leine wachen Herrchen oder Frauchen. Eigentlich ist Maulkorb Pflicht. Zu sehen ist aber keiner.

Bilder auf Schnauzenhöhe

"Die Ausstellung ist natürlich nebensächlich", sagt Hilke Hartmann. Die Sonderschullehrerin ist mit Trüffelhund Alba (2) gekommen. "Ich glaube, er ist total begeistert von den anderen Hunden."

Für Vierbeiner, die sich neben ihren Artgenossen auch für Kunst interessieren, gibt es "Bilder auf Schnauzenhöhe", wie Direktor Heinrich Schulze Altcappenberg sagt. Am Eingang stehen ein Napf mit Wasser und einer mit Leckerli.

"Ein Gag ist das nicht", betont der Direktor, der auch Hundebesitzer ist. Ihm zufolge ist es eine Premiere, dass Mops & Co. in die Berliner Museen hineinkommen. Stammgäste sollen sie dort aber nicht werden: "Im Grunde gilt natürlich ein Hundeverbot. Das bleibt auch so."

Yoga und Dating-Apps für Hunde

So mancher würde den besten Freund des Menschen allerdings gern öfter zwischen Kunstwerken sehen: "Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn die Hunde mitdürfen", sagt eine Sprecherin vom Deutschen Tierschutzbund. "Das ist schön - sowohl für die Hundebesitzer als auch für die Tiere." Vielerorts müssten sie noch draußenbleiben - etwa im Supermarkt. 

Umgekehrt gibt es inzwischen auch zahlreiche Angebote speziell für Vierbeiner: Ein Sightseeing für Hunde startete bereits vor einigen Jahren in der Hauptstadt. Längst gibt es auch Yoga ("Doga") für Bello und Co., ebenso wie spezielle Dating-Apps.

Kunst lässt Terrier kalt: "Da ist keine Leberwurst dran."

An den Museumsführungen mit Hund gefällt der Berlinerin Lotti Lietzmann, dass sie eine Ausstellung besuchen und währenddessen keine Betreuung für ihr Tier organisieren muss. Sie ist mit Mischling Paul (4) ins Kupferstichkabinett gekommen. "Er ist zufrieden, weil er mit mir unterwegs sein kann", sagt die 68-Jährige. Die Kunstwerke - auf denen immerhin auch Hunde zu sehen sind - lassen den Fox-Terrier-Mix allerdings kalt. "Da ist keine Leberwurst dran."

Dass an diesem Tag etwas anders ist, hört man aber sofort: Der Raum brummt nur so vor Bellen, Jaulen und Pfotentrippeln. Wasserhund Alba und sein Frauchen zieht es daher schon vor Ende der Führung wieder ins Freie. "Es ist doch ein bisschen zu unruhig", sagt die 57-Jährige. Wegen des Trubels? "Und weil ich immer ein bisschen besorgt bin, dass er an die Wand pinkelt."

eol DPA

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