Kolumne: Gefühl der Woche
Nein zum Haustier, oder: Mama ist der wahre Schädling

Autorin Helen Bömelburg mit Haustier, in einer Kollage mit einem schlappohrigen Hund
Da kann er noch so schöne Kulleraugen machen – ein Hund oder sonst ein Haustier kommt unserer Autorin nicht ins Haus
© stern-Montage: Fotos: Jana Mai; Adobe Stock
Hund, Katze, Kaninchen. Oder wenigstens ein Hamster. Biiiiitte! Die Kinder unserer Autorin wollen ein Haustier. Sie will das nicht. Kleine Anleitung zum Neinsagen

Warum motzen gerade alle über den langen Winter, frage ich meine Kinder morgens beim Frühstück. Dabei sind das Eis, die glasklare Luft, all der Schnee doch wunderbar! Denkt nur an die coolen Schneemänner und Schneefrauen in den Parks, sage ich, mit ihren Nasen aus Möhren und Bikinis aus Taschentüchern. Zwei Köpfe nicken zustimmend und kauen ihr Schoko-Müsli. Ich mache weiter: Am allerbesten aber sind doch all die Hunde, Drachen, Robben, Bären, Hasen, Schwäne und Gänse aus Schnee! Und erinnert ihr euch an die Krake, die Eidechse und diese tolle Jagdszene, Katz und Maus …?

Das Gefühl der Woche: Nein zum Haustier

Das hätte ich nicht sagen sollen. Meine Jungs hören auf zu kauen. Hat die Erziehungsberechtigte da gerade von Tieren gesprochen? Seit meine Kinder auf der Welt sind, verlangen sie nach Tieren. Gebraten, gedünstet, überbacken auf dem Teller, sehr gern, Papa kocht wirklich lecker. Vor allem aber wollen sie lebendige Tiere in ihrem Leben – Haustiere. Die letzte große Offensive meiner Haustier-Lobbyisten war vor Weihnachten, als ein grau gelockter Hund namens Teddy mit seinen Menschen in die Nachbarwohnung zog. Alle machten Kulleraugen, der Hund und die Kinder. Jetzt geht das wieder los. Eine Katze! Ein Kaninchen! Biiiiiiitte!

Es stimmt ja: Haustiere sind gut für Kinder. Eine kanadische Studie stellte fest, dass Babys, die ab Geburt mit Hunden oder Katzen leben, eine deutlich vielfältigere Darmflora haben. Je mehr unterschiedliche Bakterien, desto gesünder: Haustiere schleppen vor allem solche an, die gegen Allergien und Fettleibigkeit schützen. Auch psychologisch haben Haustiere viel zu bieten. „Kinder, die mit Tieren aufwachsen, sind empathischer, sozial kompetenter und beliebter als Kinder, die ohne Haustiere groß werden“, sagt die Psychologin Andrea Beetz, die seit 20 Jahren zur Mensch-Tier-Beziehung forscht.

Der österreichische Verhaltensforscher Kurt Kotrschal setzt noch eins drauf: „Durch einen Hund gewinnt das Kind an sozialer Kompetenz, das macht es sogar wahrscheinlicher, dass es Freunde findet. Hunden ist es egal, ob man schlecht im Kopfrechnen, dick oder dünn ist. Kinder lernen vom Hund, rücksichtsvoll zu sein.“ Und dann sagt er mit Blick auf seine Eurasierhündin Lilly noch dies: „Wenn Kinder ohne Hunde aufwachsen, ist das aus wissenschaftlicher Sicht nahezu fahrlässig.“ Na, was sagst du jetzt, du Haustierfeindin?

Ich sage Nein. Weil ich allergisch bin gegen alles, was Fell und Federn hat, und – noch wichtiger – weil ich mich nicht um ein weiteres Lebewesen im Haushalt kümmern will. Ich habe wirklich mehr als genug Kümmerer-Jobs. „Wenigstens ein Hamster, der schläft doch tagsüber“, argumentiert mein Jüngster, „außerdem kümmere ich mich um ihn!“ Man soll Kindern grundsätzlich vertrauen. Aber nicht, wenn es um Haustiere geht. „Dann eben eine Schildkröte! Einen Gecko!“ Nein und nein.

Immerhin hatten wir doch schon mal ein Haustier, sage ich versöhnlich zu meinen Jungs. Die Maus! Diese Maus zog eines Tages ungefragt bei uns ein, nagte Kabel an und schiss nur auf das hellere der beiden Sofas. Die Kinder bauten ihr Spielplätze aus Lego und schlichen nachts mehrmals zum Klo, um der Maus zu begegnen.

Ich rief eine Schädlingsbekämpfer-Firma an, das „Kill Team“. Klang vielversprechend, fand ich. „Weißt du noch, wie unsere Maus beim Abendessen mitten durch die Küche in die Kammer sauste und aussah, als würde sie uns winken?“, sagt das eine Kind. „Und dann hat Mama die Tür zur Kammer rundrum mit Klebeband abgeklebt und wie irre geschrien, jetzt hab ich dich!“, sagt das andere Kind. Kicherkicher. Die Maus wurde nie gefangen, und es ist klar, was meine Jungs denken: Der wahre Schädling hier am Frühstückstisch, das bin ich.

Aufkleber mit dem Slogan "Wohlstand für Aale"
© Helen Bömelburg

Der Sticker der Woche...

…klebt an einem Ampelmast in der Hamburger Hafencity und will sagen: Ein gutes Haustier für Tier-Skeptikerinnen ist geräucherter Aal mit Meerrettich-Soße. Und ein gutes Motto für uns alle in Deutschland wäre der Klassiker von Ludwig Erhard, „Wohlstand für alle“ von 1963.

 

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