VG-Wort Pixel

Prägungen in Kindheit und Jugend Amoklauf in Heidelberg: Polizeipsychologe erklärt Denkmuster von Amokläufern

Heidelberg
Menschen legen vor einem Gebäude der Universität Heidelberg Blumen und Kerzen an den Wegesrand 
© Uwe Anspach / Picture Alliance
Ein 18-Jähriger stürmt mit einer Schrotflinte in einen Hörsaal der Universität Heidelberg und schießt um sich. Eine junge Frau stirbt, der Täter tötet sich wenig später selbst. Welches Denkmuster Amokläufern gemein ist, erklärt ein Polizeipsychologe.

Amokläufer haben nach Ansicht des Polizeipsychologen Adolf Gallwitz bei tödlichen Angriffen wie dem in Heidelberg ein gemeinsames Denkmuster. "Er hat eine grandiose Art des Untergehens gesucht", sagte Gallwitz dem Radiosender "SWR Aktuell" am Dienstag. "Ein Suizid war ihm letztlich einfach zu banal." Die Täter seien keine Einzelgänger und "auch nicht immer nur Leute, die schwer psychisch krank sind", sagte Gallwitz. "Es sind teilweise Leute, die Mitglieder von Vereinen sind, aber sie fühlen sich nicht verstanden."

Prägende Kränkungen

Ein Mensch werde zum Amokläufer, "weil er die vorhandenen oder die subjektiv wahrgenommenen Kränkungen von der Kindheit übers Jugendalter zum jungen Erwachsenenalter als besonders schlimm erlebt", sagte der Polizeipsychologe. "Und weil er keine Strategien entwickelt, um sich gegen diese subjektiv erlebten Kränkungen wehren zu können." So gerieten die Betroffenen in eine "Sackgasse", in der sie sich immer mehr mit Gewalt als Kompensation beschäftigten. Dabei gebe es auch "direkte und indirekte Ankündigungen", sagte Gallwitz. "Es sind Hilferufe, es ist manchmal ein bisschen kryptisch."

Siegfried Kollmar, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Mannheim, spricht während einer Pressekonferenz zum Amok-Lauf in Heidelberg

Universität Heidelberg: 18-Jähriger schießt in Hörsaal um sich

In einem Hörsaal der Universität Heidelberg hatte ein 18 Jahre alter Student am Montag Polizeiangaben zufolge mehrmals auf andere Studierende geschossen. Eine 23-jährige Studentin starb an den Folgen eines Kopfschusses, drei weitere Menschen wurden verletzt. Nach der Tat tötete sich der 18-Jährige vor dem Gebäude demnach selbst. Der mutmaßliche Täter hatte nach Angaben der Polizei kurz vor der Tat seinem Vater eine Whatsapp-Nachricht geschickt. Der Student habe geschrieben, "dass Leute jetzt bestraft werden" müssten.

Sie haben suizidale Gedanken?

Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

stz dpa

Mehr zum Thema