Sechs Wochen vor dem 1. Mai rufen linksradikale Gruppen mit den traditionellen aggressiven Tönen zur Teilnahme an der großen abendlichen Demonstration auf. "Wir brechen aus und nehmen uns am Ersten Mai die Straße", heißt es in einem aktuellen Aufruf auf der Internetseite der Veranstalter. "Mit Zehntausenden werden wir am Abend des 1. Mai in Berlin zur jährlich größten Manifestation der radikalen Linken zusammenkommen", heißt es weiter.
Die Demonstration mit mehr als 10.000 Teilnehmern in den vergangenen Jahren startet wieder auf dem Oranienplatz in Kreuzberg und soll durch Neukölln zum Südstern führen. Der Aufruf beinhaltet fast alle Themen, die die linke und linksradikale Szene umtreibt: Autobahnausbau, Klimawandel, Görlitzer Park, Polizeigesetze, Sozialstaat, Mieten, RAF sowie Krieg in der Ukraine und die Lage in Palästina.
Bolzenschneider auf Plakaten
Auf einem Plakat, das schon in der Stadt zu sehen ist, heißt es "Antifa in die Offensive", dazu ein Bild mit einem Bolzenschneider, mit dem sich Schlösser oder Zäune durchschneiden lassen.
Aus Protest gegen die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks in Kreuzberg soll die Demonstration durch die Wiener Straße direkt am Park vorbeiziehen. Angriffe auf den zum Teil neu gebauten Zaun und die Eingangstore will man offenbar nicht ganz ausschließen: "Und dann werden wir sehen, was Stahl und Beton gegen den Widerstand von Zehntausenden so alles aushalten kann", hieß es schon im Februar. "Oder um es poetisch auszudrücken: Keine Mauer steht für immer, kein Zaun hält ewig und auch diese Ordnung ist auf Sand gebaut."
Krawalle am 1. Mai begannen 1987
Seit 1987 hatte es über Jahrzehnte am Abend des 1. Mai heftige Krawalle und zum Teil Straßenschlachten mit der Polizei mit zahlreichen Verletzten auf beiden Seiten, Zerstörungen und brennenden Autos gegeben. Inzwischen verläuft der Abend trotz aggressiver Stimmung meist nicht mehr so gewalttätig, die Polizei ist überall sehr präsent und greift schnell ein.
Aktionen der linksradikalen Szene werden auch für die Zeit nach dem 1. Mai angekündigt: Proteste im Mai im Ruhrgebiet, Aktionstage gegen Rüstungsproduktion in Berlin-Wedding im Juli und im September in Köln und Hamburg.