Der Prozess gegen einen Tierarzt, der seiner Partnerin das Tiermedikament Xylazin verabreicht haben soll, ist mit der Befragung von Zeugen und einer Sachverständigen fortgesetzt worden. Dem 60-jährigen Angeklagten wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Xylazin ist ein Beruhigungs- und Schmerzmittel für Tiere.
Eine Toxikologin des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Kiel sagte als Sachverständige vor dem Amtsgericht Neumünster, auch bei einer Nachuntersuchung der Haarproben der Frau sei Xylazin festgestellt worden. Zuerst hatte das Labor der Sporthochschule Köln das Medikament in den Haaren nachgewiesen.
Der Wirkstoff Xylazin führe zu einer Verlangsamung des Herzschlags und könne Schwindel und Gangschwierigkeiten auslösen, so die Toxikologin. In schweren Fällen könnten die Folgen bis zu Atemstillstand führen.
Wahrnehmungsstörungen und Gangschwierigkeiten
Der Tierarzt soll das Medikament am 14. August 2024 unbemerkt in ein Glas Ouzo gemischt und diesen seiner damaligen Freundin zum Trinken gegeben haben. Beide wollten an diesem Abend im Garten grillen. Nachdem sie davon getrunken habe, habe die Frau Gangschwierigkeiten und Wahrnehmungsstörungen gehabt, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage.
Der Tierarzt war zuvor bereits in einem ähnlichen Fall mit einer anderen geschädigten Frau verurteilt worden - zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung. Er hatte am Amtsgericht Rendsburg gestanden, aber keine Angabe zum Motiv gemacht. Auch in diesem Fall hatte der Mann Xylazin verabreicht.
Arbeitskollegin: Frau hatte keine Power mehr
Die Frau, um die es in der aktuellen Verhandlung geht, hatte im September 2024 vom früheren Prozess gegen ihren Lebensgefährten erfahren. Danach erstattete sie Anzeige und ließ später ihre Haare in medizinischen Laboren auf das Tiermedikament Xylazin untersuchen. Ein Labor in Bremen konnte kein Gift in den Haaren erkennen. Die Sporthochschule Köln konnte schließlich im vergangenen Sommer das Tiermedikament nachweisen.
Eine Arbeitskollegin und Freundin der Betroffenen sagte als Zeugin vor Gericht aus, dass sie vom Rendsburger Prozess erfahren hatte und bei der Verhandlung dabei gewesen sei. Später habe sie ihrer Freundin davon erzählt. "Da ist eine Welt für sie zusammengebrochen", sagte die Zeugin. Ihre Freundin sei heulend zusammengebrochen - und habe gleich danach Anzeige bei der Polizei erstattet.
Sie habe ihre Freundin in der Zeit, in der sie mit dem Angeklagten zusammen war, antriebslos, müde und abgeschlagen erlebt, berichtete die Zeugin weiter. "Das kannte ich gar nicht von ihr, sie hatte sonst immer Power ohne Ende." Ein weiterer Kollege bestätigte das in seiner Aussage.
Angeklagter stellt Frage
Auch der Angeklagte ergriff erstmals im Prozess das Wort: Er fragte die Sachverständige, ob überhaupt überprüft worden sei, dass es sich bei der Probe um die Haare der Nebenklägerin handele.
Die Verteidiger des Angeklagten wollen mehrere weitere Zeugen hören - unter anderem den Hausarzt der Betroffenen. Das Gericht hat den nächsten Verhandlungstermin auf 5. Februar terminiert. Ob dann auch die Plädoyers und gesprochen werden und das Urteil verkündet wird, ist ungewiss.