Einbruch vor gut vier Monaten
Sparkassenchef zu Millionen-Raub: "Auch wir sind Opfer"

Erste Gegenstände sollen nun an Betroffenen ausgegeben werden. Foto: Christoph Reichwein/dpa
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Nach dem Millionen-Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen haben geschädigte Kunden den Rücktritt des Chefs gefordert. Dieser äußert sich nun - kurz bevor Betroffene Dokumente zurückbekommen.

Nach Rücktrittsforderungen gegen den örtlichen Sparkassenchef als Konsequenz aus dem Millionen-Coup von Gelsenkirchen bei einer Demo von betroffenen Kunden hat dieser um Verständnis geworben. Im "Morgenecho" auf WDR 5 sagte Sparkassenchef Michael Klotz, auch die Bank selbst sei Opfer geworden, das gerate völlig in den Hintergrund. 

Seit dem spektakulären Einbruch Ende Dezember sei kein einziger Tag vergangen, an dem er und seine Mitarbeitenden sich nicht mit der Tat beschäftigt hätten. Man sehe keine Verletzung der Sorgfaltspflicht seitens der Sparkasse, fühle sich den Kunden gegenüber aber verantwortlich und sei "tief betroffen". 

Erste Rückgaben beginnen - zuerst vor allem Dokumente 

Heute sollen mehrere Kunden Dokumente aus ihren aufgebrochenen Schließfächern zurückbekommen. Es handelt sich einer Sparkassensprecherin zufolge vor allem um namentlich klar zuzuordnende Dokumente wie Kaufverträge, Urkunden, Fahrzeugbriefe oder Familienstammbücher. Sie gehörten zu den rund 50.000 Gegenständen, die die Einbrecher Ende 2025 in dem verwüsteten Tresorraum zurückgelassen hatten. 

Auf die Frage, warum es so lange dauere, sagte Klotz im WDR, bis zum 27. April sei alles von den Ermittlungsbehörden beschlagnahmt worden. Erst danach habe die Sparkasse mit der Zuordnung beginnen können. Bei Dokumenten sei das wegen der Namensnennungen vergleichsweise einfach. 

Ansonsten sei die Zuordnung von Gegenständen aus den Schließfächern aber schwierig, schilderte Klotz. Als Voraussetzung dafür brauche die Bank möglichst detailgenaue Inventarlisten der Kundinnen und Kunden. Rund 2.100 solcher Listen seien bisher eingegangen. 

Bei der Demo am Donnerstag hatten Kunden Aufklärung über mögliche Sicherheitsmängel in der Bank und eine volle Haftung für entstandene Schäden verlangt. Unbekannte hatten nach Weihnachten alle Sicherheitssysteme überwunden, sich mit einem Kernbohrer Zutritt zum Tresorraum verschafft und fast alle der 3.100 Schließfächer aufgebrochen. Der Gesamtschaden wird von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, er könnte womöglich auch im dreistelligen Millionenbereich liegen.

dpa