Kritik an Entlastungsprämie
Hohe Spritpreise: Firmenchef sieht "Übergewinn" des Staats

Kein Freund der Entlastungsprämie: Gea-Chef Stefan Klebert. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Weil Tanken teuer ist, sollen Firmen ihren Leuten Geld zahlen. Ein Manager schüttelt den Kopf. Der Staat solle lieber mal das Geld auszahlen, was er dank höherer Spritpreise an Extra-Steuern einnehme.

Die steuerfreie 1.000-Euro-"Entlastungsprämie" für Beschäftigte stößt in Nordrhein-Westfalens Wirtschaft auf Kritik. Der Chef des Düsseldorfer Maschinen- und Anlagenbauers Gea, Stefan Klebert, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin kein Freund dieses Vorhabens, denn es löst das Problem nicht - gerade in einer Phase, in der kaum wirtschaftliches Wachstum stattfindet und viele Unternehmen unter Druck stehen." 

Wegen des Irankrieges sind die Spritpreise deutlich gestiegen, was für viele Bürgerinnen und Bürger eine zusätzliche finanzielle Belastung ist. Um die Menschen zu entlasten, sollen Firmen ihren Beschäftigten bis zu 1.000 Euro als steuerfreie Prämie zahlen dürfen, so ein Vorhaben der Bundesregierung. Es handelt sich um eine freiwillige Leistung von Arbeitgebern. Der Bundestag stimmte am Freitag mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition zu, am 8. Mai soll sich der Bundesrat damit befassen. 

Nicht die Wirtschaft, sondern der Staat soll zahlen 

"Für Unternehmen, die global aufgestellt sind, stellt die Prämie ein zusätzliches Dilemma dar, da sie nur den deutschen Mitarbeitenden zugutekommt", sagt Kleber. In anderen Staaten seien Gea-Beschäftigte aber auch von den Preissteigerungen betroffen. Der Staat sollte den Bürgern lieber direkt Entlastung schaffen. "Die höheren Spritpreise bedeuten ja schon per se höhere Steuereinnahmen", sagt Klebert. "Zumindest dieser "Übergewinn" könnte problemlos an die Bürger weitergegeben werden." 

Gea hatte zum Jahreswechsel weltweit 18.628 Vollzeitstellen, von denen circa ein Drittel in Deutschland waren. Der Verwaltungssitz ist in Düsseldorf, wo etwa 400 Menschen für den Maschinen- und Anlagenbauer tätig sind. In Oelde hat die Firma mit rund 1.900 Vollzeitstellen ihr größtes Werk. 

Die Firma stellt Melk- und Fütterungsroboter für Landwirte, Produktions- und Verpackungsmaschinen für Nudeln, Zentrifugen für Brauereien und Sprühtrockner für Molkereien her, in denen Milch zu Milchpulver gemacht wird. Im vergangenen Jahr kam Gea auf einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro, was im Vergleich zu 2024 ein Plus von 1,4 Prozent gewesen war.

dpa

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