Vorschulische Sprachförderung gehört nach Auffassung der SPD-Opposition nicht in Schulen oder an externe Orte, sondern direkt in die Kitas. SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott stellte in Düsseldorf einen Gegenentwurf zu den von der Landesregierung geplanten "ABC-Klassen" vor. Dort sollen Kinder mit mangelhaften Sprachkompetenzen ab dem Schuljahr 2028/29 eine verbindliche vorschulische Förderung erhalten.
Gemeinsamkeit beider Konzepte: Alle Vierjährigen müssen an einem Sprachtest teilnehmen. Danach gabeln sich jedoch die Wege, die die schwarz-grüne Koalition und die Opposition einschlagen möchten.
Was haben Regierung und Opposition mit den Kita-Kindern vor?
Die Landesregierung sieht für Kinder mit starkem Unterstützungsbedarf zwei mal zwei Stunden verbindliche Förderung pro Woche vor - aus Sicht der SPD "eine reine Alibi-Veranstaltung".Nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten sollen Kinder mit einem ausgeprägten Sprachförderbedarf im Jahr vor der Einschulung zu einer umfassenden Fördermaßnahme verpflichtet werden können: Auch für jene, die noch gar keine Kita besuchen, soll das "den Besuch eines Chancenjahrs in der Kita mit einem Umfang von mindestens 35 Stunden pro Woche" bedeuten. Aus Sicht des Schulministeriums stößt ein verpflichtendes Kita-Jahr hingegen auf verfassungsrechtliche Bedenken, weil es nur schwer mit dem geschützten Erziehungsrecht der Eltern in Einklang zu bringen wäre. Räumlich sollen die "ABC-Klassen" entweder an öffentlichen Schulen, Kitas oder an anderen geeigneten Orten angedockt werden - etwa an Volkshochschulen oder Pfarrheimen mit entsprechendem Platz. Für die SPD wäre eine Räumlichkeit außerhalb der Kitas hingegen nur eine Notlösung. In ihrem Konzept heißt es: "Die gezielte Förderung erfolgt eingebettet in die soziale und gewohnte Umgebung der Kinder durch alltagsintegrierte Sprachbildung, einschließlich von Gruppen- und Einzelförderung."
Die ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz geht davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Kinder einen ausgeprägteren Förderbedarf bei sprachlichen, mathematischen und sozial-emotionalen Kompetenzen haben. Das Schulministerium hält fest: "Kinder ohne zusätzlichen Förderbedarf brauchen keine verpflichtende Vorschule." Nach Zahlen des Statistischen Landesamts besuchen etwa 92 Prozent der Vierjährigen in NRW eine Kindertagesbetreuung.
Viel Contra für die Regierungspläne: Was sagen die Experten?
Für Mittwoch ist im Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags eine Sachverständigenanhörung zu den geplanten "ABC-Klassen" angesetzt. Zahlreiche Kritiker aus Bildungs- und Kita-Verbänden haben Zweifel geäußert, dass das Konzept personell, räumlich und organisatorisch aufgeht. Die bisherigen Rückmeldungen seien "desaströs" für die Landesregierung, bilanzierte Ott.
Schulministerin Dorothee Feller (CDU) gibt sich hingegen optimistisch: "Gemeinsam mit Kommunen, Kitas und Schulen werden wir pragmatische und rechtssichere Lösungen entwickeln, die den Kindern wirklich helfen. Wir haben keine Zeit zu verlieren."