Pharma
Neuer Chef von Schott Pharma: "Mit kürzeren Zyklen arbeiten"

Christian Mias ist promovierter Wirtschaftsingenieur und seit mehr als 18 Jahren innerhalb der Schott-Gruppe tätig. Foto: Andrea
Christian Mias ist promovierter Wirtschaftsingenieur und seit mehr als 18 Jahren innerhalb der Schott-Gruppe tätig. Foto
© Andreas Arnold/dpa

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Christian Mias ist der neue Kopf an der Spitze des Pharmazulieferers. Auch ihn treiben Welt- und Zollpolitik um, dennoch blickt er optimistisch nach vorn. Warum das so ist.

Der neue Chef des Pharmazulieferers Schott Pharma sieht das Mainzer Unternehmen für die vielen weltpolitischen Spannungen und Wirren der US-Zollpolitik gewappnet und erwartet steigende Erlöse. "Die Perspektive sieht wieder besser aus", sagte Christian Mias der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. 2026 sei ein Übergangsjahr, in den Folgejahren 2027 bis 2029 sei mit sechs bis acht Prozent Umsatzwachstum zu rechnen. Mias übernimmt zum 1. Mai den Posten des Vorstandschefs bei dem Mainzer Unternehmen.

"Ich glaube, dass die Gesamttrends in der Industrie durchaus in Ordnung sind und dass auch wir gut aufgestellt sind", betonte Mias. Er löst an der Firmenspitze Andreas Reisse ab, der in den Ruhestand geht. Reisse hatte Schott Pharma 2023 an die Börse gebracht. Das Unternehmen stellt unter anderem Spritzen aus Glas und Spezialglaskunststoff, Ampullen und Fläschchen für den Medizinbereich her, beschäftigt weltweit rund 4.800 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von rund 986 Millionen Euro. 

Premium-Produkte als Vorteil in bewegten Zeiten

"Wenn ich auf US-Zölle blicke, hilft uns das Portfolio mit den High-Value-Solutions", sagte Mias. Damit sind margenstarke Premium-Verpackungsprodukte und Dienstleistungen für die Pharmaindustrie gemeint. Bei denen sei der Zollanteil nicht das entscheidende Kriterium, sagte Mias. Angesichts der Geopolitik dürfe man heutzutage zwar nicht aktionistisch werden. Entscheidungen müssten aber engmaschiger hinterfragt werden als früher, weil sich Rahmenbedingungen so schnell änderten. "Man muss mit kürzeren Zyklen arbeiten." 

Für die Weiterentwicklung von Schott Pharma nennt Mias, der bereits mehrere Führungspositionen in dem Unternehmen innehatte, zwei Stoßrichtungen: "Innovation sowie Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit bezüglich Kosten". "Neue innovative Therapieansätze gehen häufig Hand in Hand mit spezifischen Anforderungen an die Aufbewahrungslösungen." An dem Punkt sieht der Manager Chancen, aufgrund der langjährigen Expertise der Mainzer. 

Von großen Spritzen bis zu lichtundurchlässigen Behältnissen

Ein Beispiel seien großvolumige Spritzen für Arzneimittel. "Es ist nicht einfach, aus einer kleinen Spritze eine große Spritze zu machen. Das ist technisch doch eine größere Herausforderung", sagte Mias. Ein anderes Beispiel sind Behältnisse für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die müssen lichtundurchlässig sein. 

Bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten sollen Wirkstoffe der Chemotherapie mit Hilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden. "Es ist wichtig in der Pharmaindustrie, möglichst schnell in Qualifikationsprozesse reinzukommen und sich dann gut positioniert zu haben für das spätere Massengeschäft", betonte Mias. 

Mias sieht Trends zu Ambulantisierung und Regionalisierung

Grundsätzlich erwartet der neue Vorstandschef, dass der Trend zu ambulanten Behandlungen von Patientinnen und Patienten weitergeht. "Und zwar aus zwei Gründen: den Kosten im Gesundheitssystem und dem Patientenkomfort", wie der 51-Jährige sagte. Wenn ein Patient nicht lange in der Arztpraxis verweile, sondern sich ein Medikament zu Hause verabreichen könne, entlaste dies das Gesundheitssystem. "Und das andere ist: Ich sitze persönlich auch nicht gerne in der Arztpraxis. Wenn ich das zu Hause machen kann, dabei meinen Kaffee trinke und mein Buch lese, geht es mir im Zweifelsfall schneller besser." 

Mias spricht auch von einem Trend zur Regionalisierung, also zur Herstellung von Produkten in einzelnen Weltregionen. Damit könne Schott Pharma umgehen. "Wir sind in den zentralen Regionen aktiv und präsent, ob das Asien und China ist, ob das USA ist, oder Europa", sagte er. "Das kann dazu führen, dass Europa eher etwas verliert und Regionen wie Asien oder die USA weiter gewinnen." Europa verliere nicht im Sinne von massivem Absacken, das seien langsame Prozesse.

Für den Standort Deutschland wünscht er sich einen konsequenteren Abbau von Bürokratie. "Wir reden sehr viel darüber. Ich persönlich sehe die Ergebnisse nicht", kritisierte der Manager. "Es dauert einfach alles zu lang. Wenn in China in der Zeit, in der wir vielleicht eine Baugenehmigung erteilen, schon ein Gebäude steht, machen wir wahrscheinlich Dinge falsch."

dpa