Geschichte Welterbe in Quedlinburg bekommt innovative Löschanlage

Eine Heißschaumlöschanlage soll das Welterbe auf dem Stiftsberg in Quedlinburg schützen. Foto: Matthias Bein/dpa
Eine Heißschaumlöschanlage soll das Welterbe auf dem Stiftsberg in Quedlinburg schützen. Foto
© Matthias Bein/dpa
Wenn es brennt, soll Schaum ausgebracht werden, der die historischen Zeugnisse auf dem Stiftsberg umschließen und somit schützen soll. Was das Löschsystem so einzigartig macht.

Auf dem Stiftsberg in Quedlinburg wird derzeit eine innovative Löschanlage gebaut, die das kulturelle Erbe im Notfall möglichst gut schützen soll. Es werde ein komplett neues Löschsystem installiert, sagte Sabine Bahß von der Stadtverwaltung Quedlinburg. In den vergangenen Jahren wurden die Bauten dort saniert und restauriert, im Frühjahr soll es wieder möglich sein, das Ensemble zu besuchen. 

Inmitten des Fachwerks sei im Zuge der Arbeiten auf dem Stiftsberg Brandschutz ein wichtiges Thema und selbstverständlich Auflage in der Baugenehmigung gewesen, sagte Bahß. Eine Löschanlage zu konzipieren, sei allein deshalb schon eine Herausforderung gewesen, weil sie alle Bauten auf dem Berg abdecken müsse. 

Rundgänge durch das Ensemble ab März

Der Stiftsberg ist der Kern des Unesco-Weltkulturerbes Quedlinburg. König Heinrich I. hatte ab 919 in Quedlinburg bauen lassen und wurde 936 auch dort bestattet. Heute werden Stiftskirche, Domschatz und Schloss museal und kirchlich genutzt. Ab März sollen Besucherinnen und Besucher einen Rundgang durch das Ensemble aus Stiftskirche, Stiftsgebäuden, Schloss und Gärten machen können. 

Brand in Pariser Notre-Dame hatte Einfluss auf Planung

Die sogenannte Heißschaumlöschanlage wird in den ungenutzten Dachräumen der Gebäude installiert. Dort gibt es keine Brandmauern, die ein Ausbreiten von Feuer verhindern. Die Planung der Anlage sei "ein recht langwieriger Prozess" gewesen, sagte Bahß. Während dieser Zeit habe es auch in der berühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris gebrannt. Daraufhin seien auch in Deutschland die Standards im Brandschutz angepasst worden - was auch einen Einfluss auf die Planung in Quedlinburg gehabt habe. 

Feuer soll vom Schaum umschlossen und erstickt werden

Ende Februar soll die Anlage abgenommen werden. Wichtig ist sie vor allem, weil die Feuerwehr nicht bis auf den Stiftsberg fahren kann - es ist zu eng. "Besonders macht die Anlage, dass sie wenig Wasser braucht und eine hohe Löschwirkung hat", sagte der Geschäftsführer der DK Brandschutz GmbH, Ralf Kopatz. Sein Unternehmen ist für die Installation der Anlage zuständig. 

Die Anlage bestehe im Generellen aus Behältern mit Schaummittel und Wasser. Sie befänden sich unterhalb des Schlosshofs im Keller. Dort sind auch Pumpen, die das Wasser und das Mittel bei Feueralarm in die Dachräume hochpumpen. Dort soll der Schaum generiert und verteilt werden. Er soll dann den Brand und die Brandstelle komplett umschließen. "Dadurch wird die Zufuhr von Sauerstoff behindert und gleichzeitig gekühlt", erklärte Kopatz. 

Solche Heißschaumlöschanlagen würden dort eingesetzt, wo sehr hohe Brandgefahr bestehe und wo das Feuer nicht mit Wasser zu löschen sei, erklärte der Experte. "Das ist ein sehr junges Löschverfahren, das generell noch nicht häufig verbaut wurde - und wenn, dann eher in Bereichen der Industrie."

dpa