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Fachwerkhäuser zerstört: Großbrand wütet in Welterbe-Stadt Quedlinburg

Mehr als 1300 dicht an dicht gebaute Fachwerkhäuser - der historische Schatz der Stadt Quedlinburg ist Fluch und Segen zugleich. Touristen bewundern die Altstadt. Doch immer wieder setzen Großbrände den Einwohnern zu.

Ein verheerendes Feuer hat in der historischen Unesco-Welterbe-Stadt Quedlinburg zwei weitere Häuser in Schutt und Asche gelegt. Nach Ermittlungen der Polizei wurde der Brand durch Bauarbeiter ausgelöst, die ein Dach reparieren wollten. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden liegt bei rund 150.000 Euro. In diesem Jahr hatte es in der einzigartigen Altstadt bereits mehrere Male gebrannt.

Jetzt traf es in der Nacht zum Freitag zwei bestens sanierte Wohnhäuser, auch ein drittes angrenzendes Haus wurde durch Flammen und Löschwasser schwer beschädigt. Arbeiter hätten am Dach eines der Fachwerkhäuser am Donnerstag mit offener Flamme Schweißbahnen verlegt, teilte die Polizei in Halberstadt mit. Dabei sei es zu einem zunächst nicht bemerkten Schwelbrand gekommen, der sich im Laufe des Abends zu einem richtigen Feuer entwickelt habe.

Der Brand wurde gegen 22 Uhr von einem Bewohner bemerkt - als ein Rauchmelder anschlug und damit eine Katastrophe verhinderte. Die Feuerwehr habe schnell eingreifen können, sagte Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD). "Sonst wären die Schäden vermutlich noch größer geworden." Auch hätten sonst Menschen sterben können. Acht Bewohner konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Feuerwehr brachte mit 65 Helfern die Flammen unter Kontrolle.

Geldprobleme verzögern Sanierung

Brecht forderte, in allen Fachwerkhäusern müssten Brandmelder gesetzlich vorgeschrieben werden. "In Quedlinburg wäre eine Pflicht sicherlich angezeigt." Die oft lebensrettenden Rauchmelder sind in Sachsen-Anhalt bisher nur für neue Wohnungen vorgeschrieben. Bis zum Jahr 2015 sollen sie nach der aktuellen Gesetzeslage auch in schon bestehenden Wohnräumen nachgerüstet werden, erklärte das Bauministerium in Magdeburg.

Die historische Altstadt von Quedlinburg ist derzeit zu rund 55 Prozent saniert, 45 Prozent der mehr als 1300 Häuser müssen noch wiederhergestellt werden, wie Oberbürgermeister Brecht berichtete.

Die Stadt habe an zwei Fronten zu kämpfen: Zum einen mache der Bevölkerungsschwund zu schaffen, auch wenn in der Altstadt die Einwohnerzahl seit den 90er Jahren zugenommen habe. Zum anderen sind noch immer immense finanzielle Mittel für die Sanierung notwendig. "Das ist eine Herkulesaufgabe", sagte Brecht. Ein Flächendenkmal mit 80 Hektar sei viel teurer zu erhalten als ein einzelnes Haus. Fördermittel erhält die Stadt von Bund, Land, EU und auch mehreren Stiftungen. Die Sanierungen würden aber noch 20 oder 30 Jahre dauern.

Gästeaufkommen seit der Wende verhundertfacht

In den vergangenen Jahren profitierte Quedlinburg aber auch von den immens gestiegenen Touristenzahlen. Nach einer inoffiziellen Statistik habe es nach der Wende 1990 nur 2000 Gäste-Übernachtungen in Quedlinburg gegeben, sagte Brecht. Dieses Jahr werde mit mehr als 200.000 gerechnet nach 180.000 Übernachtungen im vergangenen Jahr.

In Quedlinburg hat es in den vergangenen Monaten schon mehrfach gebrannt. Im April wurden drei Fachwerkhäuser zerstört, wenige Tage später wurden zwei weitere historische Gebäude durch Flammen schwer beschädigt. Im Juni 2010 gingen drei Fachwerkhäuser in Flammen auf. In den vergangenen Wochen gab es laut Polizei zudem mehrere Fälle, wo Unbekannte Müllcontainer in Brand setzten. Beim jüngsten Feuer schließt die Polizei aber vorsätzliche Brandstiftung aus.

Rochus Görgen, DPA/AFP / DPA