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Studie zum Shopping-Verhalten: Die Innenstädte sterben nicht - trotz Amazon

Eine Studie zeigt, was Kunden an Einkaufsmeilen schätzen und wie sich Innenstädte gegen Verödung stemmen können. Der Onlinehandel ist nämlich gar nicht das größte Problem.

Leipzig Innenstadt

Fußgängerzone in der Grimmaischen Straße in Leipzig: Die Sachsen haben laut Studie die attraktivste Innenstadt aller Metropolen

Es ist ein Dilemma: Einerseits lieben wir die schier unbegrenzte Auswahl an Waren im Internet, bestellen ganz bequem alles von Schuhen bis Schnickschnack - und graben so den Ladengeschäften das Wasser ab. Andererseits schätzen wir doch auch die Einkaufsmeilen in den Innenstädten, das Schaufenster-Shopping, das Anfassen und Ausprobieren. Das soll doch bitteschön bleiben. Trotz und Zalando.

Für alle Nostalgiker gibt es nun eine gute Nachricht: Laut einer Studie des Institut für Handelsforschung Köln kann von einer flächendeckenden Verödung der Innenstädte infolge zunehmenden keine Rede sein. Zwar gibt jeder fünfte Befragte an, dass er wegen Internet-Einkäufen die Innenstadt seltener besucht. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass in den meisten Branchen der Laden in der Innenstadt nach wie vor die unangefochtene Nummer 1 ist. Lediglich bei Elektronik und Telekommunikation schwimmen den stationären Läden die Felle davon - hier präferiert mittlerweile jeder Fünfte den Onlineshop.

Konkurrenz zwischen den Städten

Für die übrigen Branchen konstatiert die Studie, die größte Konkurrenz der Innenstadt sei nicht das Internet, sondern die Innenstadt im nächsten Ort. Denn die 121 Innenstädte, die Teil der Untersuchung sind, bewerten die Menschen naturgemäß als sehr unterschiedlich attraktiv - mit Schulnoten von 1 bis 4. Wenig überraschend werden die Innenstädte mit zunehmender Größe tendenziell besser bewertet. So erhalten Hamburg, und Heidelberg Noten im Einserbereich. Aber auch kleinere Städte schneiden gut ab. Im Gesamtschnitt bewerteten die 60.000 befragten die 121 Innenstädte mit einer Schulnote von 2,7.

Die attraktivsten Innenstädte ihrer jeweiligen Größenkategorie:

  • Mehr als 500.000 Einwohner: Leipzig
  • 200.000 bis 500.000 Einwohner: Erfurt
  • 100.000 bis 200.000 Einwohner: Heidelberg
  • 50.000 bis 100.000 Einwohner: Hilden
  • 25.0000 bis 50.000 Einwohner: Wismar
  • bis 25.000 Einwohner: Quedlinburg


Flair ist wichtiger als das Warenangebot

Doch was können Städte tun, damit ihre Innenstadt als attraktiv wahrgenommen wird? Laut Studie ist das Top-Kriterium weder das Einzelhandelsangebot noch die Auswahl an Freizeit- und Kultureinrichtungen. Am wichtigsten sind das allgemeine Ambiente und Flair der Stadt. So punktet das kleine in Sachsen-Anhalt mit einer historischen Altstadt, 1200 denkmalgeschützten Fachwerkhäusern und einer teilweise gut erhaltenen Stadtmauer. Auch die anderen Top-Städte haben einen historischen Stadtkern. "Der Pflege und Vermarktung eines historischen Stadtkerns sollte somit eine hohe Bedeutung beigemessen werden", heißt es in der Studie.

Wer keinen historischen Stadtkern hat, kann sich natürlich keinen backen. Dennoch kann auch hier durch ansprechende Bebauung die Attraktivität erhöht werden. Gebäude zahlen laut der Studie am stärksten auf den Erfolgsfaktor Ambiente und Flair ein. Auch schön gestaltete Plätze und Grünflächen steigern den Wohlfühlfaktor. Händler könnten das Flair durch attraktive Fassaden- und Schaufenstergestaltung steigern.