HOME

Medikament um 5000 Prozent verteuert: Pharma-Manager im peinlichen Twitter-Krieg mit Kritikern

Über Nacht verteuerte Martin Shkreli ein Medikament seiner Pharma-Firma von 13 auf 750 Dollar. Das Medienecho war gewaltig, auch auf Twitter hagelte es Kritik. Doch der Manager feuert zurück und wird zum Twitter-Troll.

Martin Shkreli ist der Kopf hinter Turing Pharmaceuticals - und im Pharmageschäft der USA kein Unbekannter.

Martin Shkreli ist der Kopf hinter Turing Pharmaceuticals. Auf Twitter versucht er, seine Kritiker mundtot zu machen.

Noch Anfang August kostete eine Tablette des Medikaments Daraprim 13,50 US-Dollar. Doch über Nacht erhöhte die kleine US-Pharmafirma Turing Phamaceuticals den Preis um 5000 Prozent. Unglaubliche 750 Dollar kostet nun eine Pille des Medikaments, dessen Produktionskosten sich auf nicht mehr als einen Dollar belaufen.

Die Welle der Empörung, die Turing Phamaceuticals als Antwort auf diese unverschämte Preissteigerung  entgegenschlug, war wenig überraschend. Vor allem der Firmengründer Martin Shkreli geriet in die Kritik. Er ist der Kopf und der Hauptinvestor des Pharmaunternehmens. Der ehemalige Hedgefonds-Manager ist für seine zwielichtigen Geschäftspraktiken bekannt. Seine Strategie: Für Medikamente, für die es am Markt keine entsprechenden Äquivalente gibt, eine Monopolstellung sichern, um auf diese Weise den Preis nach Belieben in die Höhe treiben zu können.

Shkreli wird zum Twitter-Troll

An dieser Praxis kann Shkreli nichts Verwerfliches entdecken. Schließlich wolle man die Einnahmen in die Forschung investieren, so seine Begründung, die er im Interview mit "Bloomberg News" verlauten ließ. Gegenüber Kritikern zeigte sich Shkreli erstaunlich resistent, wie der Twitterkrieg zeigt, in den er sich die vergangenen Tage begeben hat: Mit Beleidigungen, Anfeindungen und Diffamierungen versuchte er seinen Kritikern den Mund zu verbieten. 

Den Bloggern von "Gawker" gelang es noch rechtzeitig die verbalen Ausfälle des Turing-Gründers zu dokumentieren, bevor er seinen Twitter-Account für die Öffentlichkeit sperrte. Zu seinem besonderen Erzfeind erkor er sich dabei offenbar den Wissenschaftspublizisten  John Carroll aus. Mit ihm lieferte er sich ein regelrechtes Twitter-Duell. "Du bist bloß ein schlechter Journalist, der keine Fakten überprüfen oder logisch denken kann", schrieb Shkreli als Antwort auf dessen Kritik. "Niemand wird das hier lesen. Es gibt kein "Volk". Du bist nicht wichtig," hieß es in einem anderen Tweet. Und als Krönung folgte: "Du bist so ein Idiot."

"WTF", "Furz", "Trottel"

Aber Shkreli wetterte nicht nur gegen Journalisten. Einen Twitter-Nutzer, der 25 Follower hat, lachte er aus, weil er angeblich ein frustrierendes Leben führt: "Ich glaube nicht, dass du die Fakten kennst. Kann es sein, dass du in anderen Lebensbereichen frustriert bist?", schrieb er. Shkreli nahm sich offenbar die Zeit, beinahe gegen jeden kritischen Kommentator zu stänkern. Die meisten seiner Tweets enthielten Kraftausdrücke wie "WTF", "Furz" oder "Trottel".

Doch am Ende wurde der Shitstorm auch für Shkreli offensichtlich zu viel. Um seine Tweets zu sehen, muss man mittlerweile eine Genehmigung von ihm erhalten. 

Der von ihm als Idiot beschimpfte John Carroll mutierte hingegen in der Zwischenzeit zum Star und erfreut sich an seinen 15 Minuten Ruhm.

Daraprim wird vor allem zur Behandlung von Taxoplasmose eingesetzt, einer durch Parasiten übertragbare Infektionskrankheit. Für HIV-infizierte oder krebskranke Menschen kann diese Krankheit tödlich enden, da ihr Immunsystem geschwächt ist. Für sie ist Daraprim daher oft lebensrettend.

Wissenscommunity