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Heterosexuelle Frauen haben die wenigsten Orgasmen

Wer kommt häufiger beim Sex? Männer oder Frauen? Hetero-, Homo- oder Bisexuelle? Forscher haben Menschen nach der Häufigkeit ihrer Orgasmen befragt. Die Auswertung der Daten liefert interessante Einblicke.

Um das Thema Orgasmus kursieren viele Gerüchte: Männer kommen beim Sex immer zum , heißt es. Frauen dagegen tun sich damit manchmal schwer. Doch was ist an den pauschalen Behauptungen dran? Ein Forscherteam um David Frederick von der Chapman University in Kalifornien ist dieser Frage nachgegangen. Die Wissenschaftler haben 52.600 Menschen in den USA nach der Häufigkeit ihrer Orgasmen befragt – und was sie jeweils dafür tun, um zum Höhepunkt zu kommen.

Die Studie ist nicht nur interessant, weil sie Unterschiede zwischen den einzelnen Geschlechtern offenbart, sondern auch zwischen verschiedenen sexuellen Orientierungen. An der Studie haben heterosexuelle, schwule und bisexuelle Männer teilgenommen, aber auch lesbische, bisexuelle und heterosexuelle Frauen. Alle Teilnehmer gaben an, in einer Beziehung zu leben. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt "Archives of Sexual Behaviour" veröffentlicht.

Männer oder Frauen: Wer kommt häufiger?

Zunächst fragten die Forscher, wie regelmäßig die einzelnen Personen beim Sex zum Höhepunkt kommen. 

  • 95 Prozent der heterosexuellen Männer gaben an, beim Sex üblicherweise immer einen Orgasmus zu haben.
  • Dieselbe Angabe machten 89 Prozent der homosexuellen und 88 Prozent der bisexuellen Männer.
  • 86 Prozent der lesbischen Frauen erklärten, sie würden beim Sex so gut wie immer zum Höhepunkt kommen.
  • Dieselbe Aussage traf auf 66 Prozent der bisexuellen Frauen und auf 65 Prozent der heterosexuellen Frauen zu.

Insbesondere in der Gruppe der heterosexuellen Paare offenbaren sich damit größere Unterschiede: Während offenbar so gut wie jeder Mann beim Sex mit seiner Partnerin zum Orgasmus kommt, ist es bei den Frauen nur etwas mehr als jede zweite. Bei diesem Unterschied könnten evolutionäre Gründe eine Rolle spielen, vermuten die Forscher. Während der männliche Orgasmus zu einem Samenerguss und damit potenziell zu einer Befruchtung führt, würde der Orgasmus der Frau "die Bindung mit einem Langzeit-Partner erleichtern", so die Wissenschaftler.

Vielfalt im Bett zahlt sich aus

Nach Meinung der Forscher können Frauen jedoch nachhelfen, um zuverlässiger zum Höhepunkt zu kommen. Denn - auch das ist ein Ergebnis der Studie - vaginaler Sex allein reicht oft nicht aus, um als Frau einen Höhepunkt zu haben.

Frauen, die regelmäßig einen Orgasmus hatten, gaben an, mit ihrem Partner tiefe Küsse auszutauschen, sich mit der Hand beim Sex zu befriedigen und Oralsex zu haben. Außerdem hatten sie längeren Sex, waren meist glücklich mit ihrer Beziehung, probierten neue Stellungen aus und sprachen offen über ihre Fantasien. Die Forscher ziehen deshalb ein durchaus optimistisches Fazit: "Unsere Ergebnisse deuten an, dass Paare eine Menge ausprobieren können, um häufiger zum Orgasmus zu kommen."

ikr