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Hilfe bei Stimmungstief Johanniskraut gegen depressive Phasen – diese Mittel empfiehlt Stiftung Warentest

Johanniskraut
Johanniskraut kommt bei leichten bis mittelschweren depressiven Phasen zum Einsatz
© coramueller / Getty Images
Sie fühlen sich müde, sind erschöpft oder antriebslos? Vor allem in der kalten Jahreszeit geht das vielen Menschen so. Bei einem Stimmungstief ist Johanniskraut einen Versuch wert. Stiftung Warentest erklärt, was zu beachten ist.

Wenn die Tage kürzer und düster werden, kann das auf die Stimmung schlagen: Im Herbst und Winter berichten viele Menschen über leichte depressive Phasen. Sie fühlen sich müde, sind erschöpft oder antriebslos. Auch Freude können sie oft nicht mehr so gut empfinden.

Bei leichten bis mittelschweren Verstimmungen kann Johanniskraut helfen, aus dem Stimmungstief zu kommen. Bei schweren oder wiederkehrenden Depressionen bis hin zu suizidalen Gedanken ist das pflanzliche Mittel dagegen nicht geeignet. Betroffene sollten sich in diesem Fall ärztlichen oder psychologischen Beistand suchen. Ein erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein.

Stiftung Warentest hat in der aktuellen Ausgabe 18 Mittel mit Johanniskraut unter die Lupe genommen – darunter zehn apothekenpflichtige Präparate, von denen sieben rezeptfrei erhältlich sind. Sind Effekte der Mittel belegt? Was weiß man über mögliche Risiken? Und wie stark sind die Präparate mit Pflanzengiften durch mitgeerntete Beikräuter belastet?

Prüfer raten zu apothekenpflichtigen Arzneimitteln

"Erwachsene in einer depressiven Phase können die von uns geprüften apothekenpflichtigen Arzneimittel mit Johanniskraut ausprobieren", so das Fazit der Tester. "Bei leichten depressiven Verstimmungen eignen sich rezeptfreie Mittel: Felis, Hyperforat und Neuroplant Aktiv sind pro Tagesdosis am günstigsten und nur sehr gering mit Pflanzengift belastet." Bei mittelschweren Beschwerden können die drei rezeptpflichtigen Mittel im Test zum Einsatz kommen. Ohne ärztliches Rezept können sie allerdings nicht erworben werden.

Nicht empfehlenswert seien dagegen Zubereitungen wie Tees, Säfte oder Mittel mit Johanniskrautpulver, wie sie oft in Drogerien und Reformhäusern angeboten werden. "Sie sind anders zusammengesetzt und niedriger dosiert als apothekenpflichtige Tabletten und Kapseln", erklärt Warentest. Ihre Wirkung sei nicht ausreichend belegt.

Wichtig: Eine sofortige Besserung der Beschwerden sollten Betroffene auch bei den empfehlenswerten Präparaten nicht erwarten. Bis die antidepressive Wirkung einsetzt, können einige Wochen vergehen. "Patienten brauchen Geduld", schreibt Warentest. Sollten sich die Beschwerden in dieser Zeit weiter verschlechtern, auch nach einem Monat nicht abklingen oder Betroffene das Gefühl haben, ihren Alltag nicht mehr bewältigen zu können, braucht es ärztliche Hilfe. 

Wechselwirkungen von Johanniskraut

Johanniskraut gilt als besser verträglich als synthetische Antidepressiva. Nebenwirkungen sind seltener, aber dennoch möglich. So kann es zu Übelkeit, Kopfschmerzen und auch Ausschlag kommen. Bei einigen Menschen reagiert die Haut zudem empfindlicher auf Sonnenlicht. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich, je nach Anwendungsdauer und Dosis.

Nicht geeignet ist Johanniskraut deshalb für Menschen, die HIV-Präparate, bestimmte Antidepressiva, Krebsmittel oder Medikamente nach einer Organtransplantation nehmen. Außerdem kann Johanniskraut die Wirksamkeit der Anti-Baby-Pille herabsetzen. Laut Europäischer Arzneimittelbehörde sollten Kinder unter 18 Jahren kein Johanniskraut einnehmen, auch wenn einige Anbieter dies anders deklarieren. Die Präparate sind für diese Altersgruppe nicht ausreichend untersucht.

Den vollständigen Test gibt es gegen Gebühr hier.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

ikr

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