VG-Wort Pixel

"Noch ein Tag und eine Nacht" Fabio Volo testet die Liebe auf Zeit


In seinem neuen Roman schreibt der italienische Bestsellerautor Fabio Volo über die Möglichkeit, unverbindlich und nur auf Zeit eine glückliche Beziehung zu führen. Michela und Giacomo wollen diesen Weg gehen, trotz aller Zweifel.

Sie sehen sich jeden Morgen in der Straßenbahn, Giacomo und Michela. Nie haben sie ein Wort miteinander gewechselt. Doch die unbekannte Schöne beschäftigt den Mittdreißiger mehr als ihm lieb ist. Sie ist die Frau seiner Träume, obwohl er längst nicht mehr an die große Liebe glaubt - und es eigentlich noch nie getan hat. Wieder einmal hat der italienische Autor Fabio Volo in seinem bereits 2007 in Italien und nun auch in Deutschland erschienenen Buch "Noch ein Tag und eine Nacht" thematisiert, was ihn schon in dem Vorgängerroman "Einfach losfahren" beschäftigte: den schwierigen Prozess des Liebenlernens.

Erneut sucht Volo nach einem Weg zwischen unverbindlichem Bett-Verhältnis und verpflichtendem "Bis dass der Tod euch scheidet". Und so lässt er seinen Helden Giacomo mit Michela eine glückliche Liaison auf Zeit eingehen. Ob das die Lösung sein kann, müssen Protagonisten und Leser selbst herausfinden. Auf jeden Fall ist es eine interessante Perspektive, beruht sie doch auf der Erfahrung beider Geschlechter, dass Leidenschaft sich abnutzt.

Glück und Nähe

Dass Giacomo Michela überhaupt kennenlernt, ist ihrer Initiative zu verdanken. Sie verabredet sich mit ihm, um ihn gleich wieder zu verlassen. Er folgt ihr jedoch nach New York, und beide verleben einige Tage voller Glück und Nähe. Beiden ist klar, dass die Verbindung keine Zukunft hat. Und dann muss Giacomo einen Tag früher als geplant nach Italien zurückkehren, weil seine Großmutter im Sterben liegt. Diese "geraubte Zeit" will er unbedingt nachholen. Und so sehen sich die beiden noch einmal einen Tag und eine Nacht wieder...

Volos Mittel, das nicht allzu dialoglastige Spannungsverhältnis zwischen dem Liebespaar über 300 Seiten zu halten, ist der legere Ton, den er auch bei tiefer gehenden Gedanken beibehält. Gerade die Auseinandersetzung Giacomos mit seiner Mutter, sein Verhältnis zum Vater und zur Großmutter sind starke, berührende Passagen. Die Schilderung des Helden und seiner zahlreichen Frauengeschichten kommt dem Klischee des italienischen Lebemanns hingegen sehr nahe.

Ohne erotisches Beiwerk kommt Volo auch dieses Mal nicht aus. Die geschilderten Sexszenen verstärken das Gefühl der Innigkeit zwischen den Protagonisten. Allmählich zweifeln Giacomo und Michela an der Machbarkeit der selbstverordneten Trennung. Das Ende kann man erahnen

Frauke Kaberka/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker