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4. Band: Harry Potter-Autorin las sterbendem Kind vor

Joanne K. Rowling war offensichtlich stark gerührt von dem Schicksal eines totkranken Mädchens: Sie las ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit aus dem damals noch nicht veröffentlichten vierten Band vor.

Die Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling (36) hat einem sterbenden Mädchen aus dem damals noch unveröffentlichten vierten Band ihrer Erfolgsreihe vorgelesen. Die kleine Amerikanerin wollte vor ihrem Tod unbedingt noch wissen, wie es mit dem Zauberlehrling weitergehen würde. Kurz darauf, im Mai 2000, starb sie im Alter von neun Jahren. Erst Ende 2002 berichteten ihre Eltern in der Zeitung "The Sunday Telegraph" erstmals über ihre Kontakte zu Rowling.

Catie Hoch aus Albany im US-Staat New York, die schon mit drei Jahren an Krebs erkrankt war, konnte gar nicht genug von Harry Potter bekommen. Nachdem ihre Mutter Gina Peca (43) ihr am Krankenbett die ersten drei Bände der Bestseller-Serie vorgelesen hatte, schickte sie Rowlings Verlag eine E-Mail mit einer Botschaft für die britische Autorin. Darin erzählte sie ihr, wie viel Freude die Bücher ihrer schwer kranken Tochter gemacht hätten und dass sie unbedingt noch das Erscheinen des vierten Bandes erleben wolle.

Rowling antwortete höchstpersönlich

Daraufhin bekam Catie eine Antwort, mit der sie nicht gerechnet hatte: Rowling selbst schrieb ihr, dass sie "hart" an der Fortsetzung arbeite, und verriet ihr unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit erste Details. So entstand ein E-Mail-Wechsel zwischen Catie und der Schriftstellerin, die für sie einfach "Jo" war.

Doch eines Tages musste die Mutter der Autorin schreiben, dass Catie nun zu schwach sei, um noch am Computer sitzen zu können. Rowling antwortete: "Liebe Gina, das tut mir so schrecklich, schrecklich leid. Gibt es irgendetwas, was ich für Catie tun kann?" Und sie schlug selbst vor, ihr am Telefon aus dem noch unveröffentlichten Buch "Harry Potter und der Feuerkelch" vorzulesen.

"Jo" las Catie am Telefon aus dem Manuskript vor

So geschah es. "Wir haben Catie im Wohnzimmer auf die Couch gelegt, und Jo hat ihr am Telefon Teile des Manuskripts vorgelesen", erzählte die Mutter. "Caties Gesicht hat aufgeleuchtet." Kurz danach starb sie. Rowling schrieb den Eltern: "Ich schätze mich glücklich, Kontakt zu Catie gehabt zu haben. Ich muss weinen, während ich dies schreibe. Sie hat Spuren auf meiner Seele hinterlassen."

Als die Eltern jetzt eine Stiftung für krebskranke Kinder gründeten, spendete Rowling 100.000 Dollar (knapp 100.000 Euro). Das sei fast wie Zauberei gewesen, sagte Mrs. Peca: "Jo ist einfach unglaublich. Ich werde ihr ewig dankbar sein."