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60. Geburtstag: Pippi Langstrumpf kommt ins Rentenalter

Vor 60 Jahren veröffentlichte Astrid Lindgren die erste Geschichte von dem Mädchen, das "ihr Leben lebt, wie es ihr gefällt". Seither entwickelte sich Pippi Langstrumpf zu einem weltweiten Erfolg - auch dank der Filme.

Pippi Langstrumpf wird 60 Jahre alt - und ist immer noch nicht erwachsen. Mit seinen Abenteuern erfreut das rothaarige, sommersprossige Mädchen, das in der Villa Kunterbunt wohnt und dessen schwarz-weiß gepunktetes Pferd "Kleiner Onkel" heißt, auch heute noch die Kinder weltweit. Im Herbst 1945 veröffentlichte Astrid Lindgren die erste Geschichte über "das stärkste Mädchen der Welt". "Pippis offizieller Geburtstag ist der 13. September", sagt Jessica Bab Bonde vom schwedischen Verlag Rabén & Sjögren. An welchem Tag genau Astrid Lindgrens Bestseller erschien, weiß allerdings keiner mehr. "Sicher ist, dass viele Kinder 1945 das Buch als Weihnachtsgeschenk bekommen haben", erzählt die Verlagssprecherin.

Das Buch wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt und erzielte Auflagen im zweistelligen Millionenbereich. "Pippi Langstrumpf" war 1945 das zweite Kinderbuch, das die schwedische Autorin Astrid Lindgren veröffentlichte. Den Namen für das außergewöhnliche Mädchen mit den feuerroten Haaren hatte ihre Tochter Karin erfunden. Als "Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf" in Buchform in die Kinderzimmer Einzug hielt, gab es allerdings zunächst viel Aufregung, vor allem von Pädagogen und Psychologen. "Unkultiviert, krankhaft und irre" sei die Romanfigur, hieß es damals bei schwedischen Kritikern, und auch im Nachkriegsdeutschland entsprach Pippi keineswegs dem Bild der Heldinnen des traditionellen Mädchenbuchs.

"Mit den Pippi-Büchern begann die Entfesselung des Kindes in der Kinderliteratur der Bundesrepublik. Hier war ein Kind nicht den Erwachsenen und deren Erziehungsversuchen unterworfen, sondern blieb in einem positiven Sinn ungezähmt", hieß es im vergangenen Jahr bei einer Ausstellung im Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf. Das Mädchen, das nach den Worten von Astrid Lindgren "ihr Leben lebt, wie es ihr gefällt", hatte bei Zusammenstößen mit großen Leuten immer das letzte Wort. Mit ihrem ersten Buch über "Pippi Langstrumpf" erhielt die Autorin 1945 den ersten Preis beim Kinderbuch-Wettbewerb des schwedischen Verlags Rabén & Sjögren. Danach war der Erfolg nicht mehr aufzuhalten. In Deutschland kam der erste Band mit den Abenteuern des ungewöhnlichen Mädchens 1949 in der Übersetzung von Cäcilie Heinig in die Buchhandlungen.

Pippi als Briefmarke und Ballett

Neben Büchern, Schallplatten und Hörkassetten wurden auf Grund des Erfolgs auch mehrere Filme über Pippi gedreht. Die Rolle der Heldin spielte in den deutsch-schwedischen Koproduktionen Inger Nilsson, die damals erst neun Jahre alt war. Eine TV-Serie und einige Kinofilme entstanden, der letzte wurde 1973 gedreht. Reich ist Inger Nilsson durch die Erfolge nicht geworden. In den Jahren danach kamen Videofilme, Spiele, CDs und Karnevalskostüme auf den Markt.

2001 brachte die Post in Deutschland eine Sonderbriefmarke mit dem Konterfei der Romanfigur heraus. In diesem Jahr gab es in der Königlichen Oper in Stockholm die umjubelte Uraufführung von Pippi Langstrumpf als Ballett-Version. Die Abenteuer der rot bezopften Pippi spielten mal an Bord eines Piratenschiffs, mal war sie in Taka-Tuka-Land. In Frankreich lieben die Kinder sie als "Fifi Brindacier", in Griechenland stemmt sie als "Pipe Phakidomyte" ihr Pferd, und in Japan spielt sie als "Nagakutsushita no Pippi" mit ihrem Äffchen "Herr Nilsson". Wer sich an die alten Pippi-Filme nach Astrid Lindgren erinnert, wird die Gassen der schwedischen Stadt Visby wiedererkennen. Viele der Außenaufnahmen wurden in der Altstadt gedreht.

Wahre Pippi-Fans fahren dann ins nahe gelegene Kneippbyn. Dort steht im Vergnügungspark die "Villa Villekulla", das Originalhaus "Villa Kunterbunt" aus den Pippi-Filmen. Übrigens haben sich auch viele renommierte Zeichner zum 50sten Geburtstag der Romanfigur mit der Kinderbuch-Heldin beschäftigt. Bei Franziska Becker etwa ist Pippi in den Wald gezogen, weil sie die Tiere erträglicher findet als Menschen. Bei Janosch ist Pippi eine Art Super-Weib geworden, weiblich mit einem Schuss Erotik und roten Fingernägeln. Bei dem Schöpfer von "Tiger und Bär" spielt sie mit den Männern, wie in ihren früheren Abenteuern mit den Polizisten oder Ganoven.

Andreas Rehnolt/AP