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Buchmarkt-Sensation: Anspruch sorgt für hohe Auflagen

Junge deutschsprachige Autoren mit anspruchsvoller Literatur stürmen die Bestsellerlisten: "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann und "Es geht uns gut" von Arno Geiger. Woher kommt der Erfolg?

Dass zwei junge deutschsprachige Autoren mit literarisch sehr anspruchsvollen Werken auf den Verkaufslisten gleich hinter dem neuen Harry Potter rangieren, ist aus Sicht der Verlage kein Zufall. "Diese beiden Bücher verstehen es, den Leser zu fesseln", sagt Lektor Wolfgang Matz. Er ist beim Münchner Hanser Verlag, der Arno Geigers Roman in die 14. Auflage geschickt hat, für das deutschsprachige Programm zuständig.

Deutsche Literaten - so lautete jahrelang das gängige Urteil - schreiben eher verkopft und langweilig und können sich deshalb nicht mit den jungen amerikanischen Erzählern messen. Inzwischen sei die deutsche Leserschaft und auch der Buchhandel viel offener geworden, meint dazu Matz. Auch bei den Autoren gebe es welche, "die einfach sagen, ich möchte durchaus auch ein größeres Publikum erreichen". Nur selten könne dies auf Anhieb gelingen. Geiger, der sein erstes Buch noch sehr kompliziert anlegte, schaffte den Durchbruch erst beim vierten: Einer über 70 Jahre sich erstreckenden Familiensaga.

Nach der Popliteratur kommen tiefgründigere Stoffe

"Die schreiben einfach anders", erklärt sich Ida Schöffling vom gleichnamigen Frankfurter Verlag den wachsenden Erfolg jüngerer deutscher Autoren. Auf diese hat der vor zehn Jahren gegründete Verlag beharrlich und - mit Erfolg - gesetzt. 75 Prozent der Autoren kommen aus Deutschland. Zur Entdeckung wurde die 31-jährige Juli Zeh, die nach ihrem Durchbruch mit "Adler und Engel" (2001) dieses Jahres ihren zweiten Roman vorgelegt hat, der allerdings von der Kritik weit weniger enthusiastisch aufgenommen wurde.

Nach dem "Fräulein-Wunder" kommen die Ahnen der Buddenbrooks

Bei Suhrkamp, schon immer besonders der deutschen Belletristik verpflichtet, sieht man nicht unbedingt einen neuen Qualitätsschub bei jüngeren deutschen Autoren. Allerdings sei das Publikum und auch die Kritik offener für die deutsche Literatur, sagt Verlagssprecher Thomas Sparr. Ähnlich sieht auch sein Kollege Martin Spieles vom ebenfalls in Frankfurt ansässigen S. Fischer Verlag: "Die Medien nehmen auch wieder verstärkt deutsche Romane wahr." Dazu habe in den vergangenen Jahren aber auch das von den Medien apostrophierte "Fräulein-Wunder" - zu denen auch die Fischer-Autorinnen Judith Hermann und Zsuzsa Bànk gehören - beigetragen.

Der Deutsche Buchpreis hat viel bewegt

Geholfen hat auch der Deutsche Buchpreis für die beste literarische Neuerscheinung im deutschsprachigen Raum, der vom deutschen Buchhandel im Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse erstmals verliehen wurde. Dabei ob die Jury, in der auch Juli Zeh saß, Arno Geigers Buch auf den Schild. "Der Preis hat sehr viel bewegt", urteilt Hanser-Lektor Matz. Auch Daniel Kehlmanns Buch, das die Kritik einhellig begeisterte, gehörte zu den sechs Finalisten.

"Sommerhaus, später" wurde in 17 Sprachen übersetzt

Der Preis ist auch nicht ohne Wirkung im Ausland geblieben. Hanser hat Geigers Buch in den europäischen Nachbarländern an große Verlage verkauft. Das Interesse im Ausland an deutschen Autoren ist da: Judith Hermanns Debüt "Sommerhaus, später" wurde in 17 Sprachen übersetzt, die Lizenz für Juli Zehs "Adler und Engel" ging in 28 Länder. "Osteuropa öffnet sich sehr", stellt Ida Schöffling fest. Besonders schwer sei es jedoch noch immer, deutsche Autoren nach England und in die USA zu verkaufen.

Thomas Maier/DPA / DPA