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Ed McBain "Big Bad City": Die harten Typen vom 87. Revier

24 mörderisch gute Romane. Ausgewählt von den stern-Krimi-Experten Schumann & Schlenz. Diese Woche: Ed McBain: "Big Bad City".

Du verrücktes Arschloch, hast du 'nen Knall?", rief der Schwarze, aber der Messerstecher drang weiter auf ihn ein, unbarmherzig wie ein Panzer, schwang das Messer und krähte: "Ach, ja? Ach, ja?" "Steve?", sagte Parker. "Also los", sagte Carella, feuerte den ersten Schuss ab und traf den Messerstecher in den rechten Oberschenkel.

(Ed McBain: "Big Bad City")

Schwester Mary Vincent ist tot, ermordet. Aber wieso trug sie, eine Nonne, Brustimplantate? Warum lässt ein mysteriöser Dieb Schokokekse liegen an den Schauplätzen seiner Einbrüche? Kann sich Detective Steve Carella schützen vor Sonny Cole, dem Mörder seines Vaters, der nun auch ihn umbringen will? Und was hat das alles miteinander zu tun?

Rätsel über Rätsel, aber wenn Sie sich davon abschrecken lassen, dann verpassen Sie die Bekanntschaft mit einem Krimi-Autor, der uns über Jahre begeistert hat wie kaum ein zweiter. Und Sie verpassen die Bekanntschaft mit den Männern des 87. Reviers der großen, bösen Stadt Isola. Männer sind das, die der Job eint, der Kampf gegen das Verbrechen, die aber so schillernd und unterschiedlich sind wie wir Menschen aus Fleisch und Blut: schwarz und weiß, fleißig und träge, aufrichtig und bigott, tumb und belesen.

"Big Bad City" ist ein besonders gelungenes Beispiel der McBainschen Kunst: Meisterhaft sind seine Charaktere gezeichnet, die Dialoge sind knapp und pointiert, der Schwung des Buches wird Sie schier davontragen.

Ed McBain ist in diesem Sommer gestorben, mit 78 und sechs Jahre nach Erscheinen von "Big Bad City". Die Nachricht von seinem Tod hat uns betrübt, hatten wir doch noch auf viele neue Fälle aus dem 87. Revier gehofft. Auf 55 hat er's gebracht binnen 50 Jahren, aber gerade in den letzten beiden Jahrzehnten hat er sich aufgeschwungen zu ganz großer Form. Literarisch ambitioniert verwebt er nicht nur die Biografien seiner Helden, sondern auch die Handlungsstränge innerhalb eines jeden Bandes. Die Spannung und das Tempo leiden jedoch nie darunter; "Big Bad City" belegt dies eindrucksvoll. Faszinierend überdies, wie er den Rap der New Yorker Gossen-, Gang-, und Bullensprache ablauschte und dann zu Papier brachte. Wenn wir's Ihnen nicht verraten hätten, Sie wären nie auf den Gedanken gekommen, dass hier ein Mann geschrieben hat, der in Deutschland längst pensionsberechtigt gewesen wäre.

Kaufen Sie mit unserer herzlichsten Empfehlung "Big Bad City" - und passen Sie auf sich auf: Ed McBain birgt hohes Suchtpotenzial. Wer's gelesen hat, will alle Bücher haben um Steve Carella, Meyer Meyer und Ollie Weeks. Sofort. In unserem Sinne, um das klar zu sagen, ist das aber nicht. Wäre schön, wenn Sie nach "Big Bad City" zunächst die anderen Autoren unserer stern-Bibliothek kennen lernten. Unser Fazit: exzellent recherchierter Polizisten-Alltag. Der Leser erlebt die Ermittlungen, als wäre er selbst dabei - bis in die Abgründe der "Big Bad City", die verdammt nach New York City aussieht.

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