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Güzin Kar: Stadtneurotiker in Zürich ohne Sex

Die eingeschweizerte Türkin Güzin Kar landete mit ihrem frivolen kleinen Erstling "Ich dich auch - ein Episodenroman für Paarungsgestörte" im Handumdrehen auf der Schweizer Bestsellerliste. Ihr Fanclub: einsam herumstreunende Großstadtsingles.

Von Gerda-Marie Schönfeld

Sie ist klein, zierlich, hübsch, hält ihr Geburtsjahr geheim, aber sonst gar nichts. Güzin Kar ist ein Multitalent: Drehbuchautorin, Regisseurin und Kolumnistin. Die "Neue Zürcher Zeitung" hat sie kurzerhand zur Lieblingstürkin gekürt. Das will man gern glauben, denn ihre Promenadenmischung aus Witz, Vulgarität und Frechheiten aus dem wirklichen Leben amüsiert auch ihre Kundschaft in der Schweizer Weltwoche. Dort schreibt Güzin Kar regelmäßig eine Kolumne. Die besten gibt's jetzt als Buch.

"Ich dich auch" versammelt ein buntes Ensemble aus Männern, Frauen und Hunden, allesamt gescheitert, aber lieb. Der frühpensionierte italienische Bauarbeiter Riccardo setzt sein Hündchen ein, um an eine Frau zu kommen. Die türkische Fatma hat seit zwei Jahren keinen Sex mehr gehabt und wird vor Gram stündlich fetter. Der weithin erfolglose Regisseur Fritschi mault über die Hollywood-Kommerzheinis und ihr großes Geld. Der schöne Tom hält sich als Notvorrat ein Heer von willigen Frauen.

Hypochonder und Frust-Fregatten

Und die streckenweise herrenlose Autorin, gelegentlich verbandelt mit diesem oder jenem Timo, ist bekennende Hypochonderin, die praktischerweise immer dann ein Tumor anfliegt, wenn eine Manuskriptabgabe droht. Man kennt das von vielen Schreiberlingen. Je nach Bedarf wandert ihr Tumor vom Kopf in die Füße.

sexuelle Abstinenz hat schlimme Folgen

Ist das Manuskript abgeliefert, findet eine wundersame Heilung statt, und wir lernen Erkenntnisse wie: Sexuelle Abstinenz hat bei Frauen schlimme Folgen. Ihre Haut wird schlecht, sie joggen unkontrolliert in Wäldern herum und treffen auf Männer, die sich einfach nicht an ihnen vergehen wollen. So wie der evangelische Pfarrer, der klagt, er würde von Frauen nie als Mensch gesehen, immer nur als Sexobjekt. Überhaupt Männer: Wo sind sie hin, die Zeiten, als Männer uns noch versaute Witze ins Ohr geflüstert und schamlos unsere Beine gemustert haben? Und heute? "Wir sollten uns bei den Männern für den Feminismus entschuldigen. Der hat sie kaputtgemacht. Wir könnten nackt hier sitzen, und sie würden uns immer noch in die Augen schauen".

Komplimente sind ein Minenfeld

Selber schuld, sagt der schöne Tom. Denn Komplimente sind ein vermintes Gelände. Neulich habe er einer gesagt: Du siehst toll aus heute. Darauf sie: Willst du damit sagen, dass ich gestern Scheiße aussah? Er hat ja Recht. Dabei ist die Sache ganz einfach: Man sage einer schönen Frau, sie sei intelligent. Man sage einer intelligenten Frau, sie sei schön. Meint zumindest der in diesen Dingen wirklich sachkundige britische Verleger Lord Georg Weidenfeld. Da Güzin Kar gebürtige Türkin ist und somit alltäglichem Rassismus ausgesetzt, weiß sie sich auch gegen den Vorwurf zu wehren, alle Türken würden in der Betriebskantine klauen: "Nicht alle Türken sind so. Die meisten klauen ausschließlich fabrikneue Ware".

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