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Im neuen stern: Loriots überraschender Nachlass

Er mag vor zwei Jahren verstorben sein, doch Loriots Humor lebt weiter: Der stern präsentiert in der neuen Ausgabe unveröffentlichte Zeichnungen aus seinem Nachlass. Ein kleiner Vorgeschmack.

Er war, ist und bleibt Deutschlands größter Humorist. Auch zwei Jahre nach seinem Tod ist Loriot der strahlende Stern am Firmament der deutschen Spaßkultur. Fast jeder kennt unzählige Zeilen seiner Sketche und Filme auswendig, Figuren wie die badenden Herren Klöbner und Müller-Lüdenscheidt sind längst Volksgut geworden. Keine Frage: Das Erbe Loriots ist lebendig wie eh und je. Und nun wartet der stern noch mit einer Überraschung auf: In der neuen Ausgabe präsentiert das Magazin vorab die schönsten Zeichnungen aus dem üppigen Nachlass Vicco von Bülows, bevor dieser am 17. September in dem Buch "Spätlese" veröffentlicht wird.

Dass gerade der stern diese Zeichnungen präsentiert, hat seinen Grund. Hier begann Loriot 1950 seine Karriere als Cartoonist. Er erfand die Knollnasenmännchen, 1954 entfachte er mit der Serie "Auf den Hund gekommen" Proteststürme: Weil Mensch und Tier darin die Rollen tauschten, sahen seine klerikalen Kritiker die "Krone der Schöpfung" herabgewürdigt. Immer wieder fing er mit seinen Karikaturen den Ehealltag ein. All diese liebevollen Zeichnungen begegnen uns nun in seinem Nachlass wieder: der riesengroßen Hund, der seinem Frauchen den - leider falschen - Mann apportiert; die Ehefrau, die unabsichtlich die Briefmarkensammlung ihres Gatten in alle Winde verstreut - alle mit den unverwechselbaren Knollnasen ausgestattet.

Bei den im stern präsentierten Schätzen handelt es sich um bislang unbekannte Bilder aus allen Phasen seines Schaffens: frühe Werke und Zeichnungen für Freunde und Bekannte, zum Beispiel seinen Briefträger. Aus seinen letzten Jahren gibt es überraschende "Nachtschattengewächse", die Loriot in den schlaflosen Stunden schuf.

Wie gut der Humorist gerade als Zeichner war, erklärt Olli Dittrich in eine eigens für den stern verfassten Hommage auf sein Idol. Das wunderbare an Loriots Zeichnungen sei, dass die plumpe Erwartung an eine Pointe nicht eingelöst werde, schreibt Dittrich. Das Prinzip funktioniere bei von Bülow anders: "Während man schaut und sucht und schaut und sucht, gerät man unwillkürlich hinein in seine surreale Alltagswelt, in eine ganz andere komische Ebene." Denn seine Zeichnungen hätten viel von jener Poesie, die Humor haben sollte.

Diese Poesie, dieser unvergleichliche Humor, all das ist sofort wieder da, wenn man die Zeichnungen betrachtet. Denn so einer wie Loriot, der kann gar nicht sterben.

Loriot: "Spätlese" erscheint am 17. September im Diogenes Verlag und kostet 39,90 Euro

Im Literaturhaus München findet vom 20. September 2013 bis 12. Januar 2014 die Ausstellung "Spätlese" statt, in der viele Exponate aus den Büchern "Spätlese" und Gästebuch" gezeigt werden. Die Ausstellung wandert in die Galerie Stihl in Waiblingen weiter, 25. Januar bis 21. April 2014.

Carsten Heidböhmer