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Jon Ronson: Radikal gut

Der britische Journalist Jon Ronson liefert Meisterporträts von Fanatikern aller Art. Er nähert sich Verschwörungstheoretikern und Weltverbesseren unvoreingenommen - daraus entsteht eine besondere Komik.

Von Stephan Maus

An der Speaker's Corner in London deliriert der Hassprediger Omar Mohammed Bakri von einem muslimischen Großbritannien. In Montana feuert ein waffennärrisches Separatistenpärchen auf Blechbüchsen: "Pass auf die Pferde auf, Schatz!" Ex-Fußballer David Icke glaubt, dass die Welt von außerirdischen Echsen regiert wird: George Bush, Queen Elizabeth II und - Überraschung! - Kris Kristofferson sind wandlungsfähige Weltregierungsechsen. Wie geht man mit Extremisten um? Am besten hinfahren und gucken, was sie so treiben. Das hat der britische Journalist und Humorist Jon Ronson getan.

Unvoreingenommen hat er sich Fanatikern genähert und ist mit hochkomischen Meisterporträts zurückgekommen, allesamt Zeugnisse vom Zusammenstoß unvereinbarer Kulturen. So empfängt Bakri den Juden Ronson auf dem Sofa, während er mit seiner Tochter begeistert "König der Löwen" anschaut. All diese so unterschiedlichen Radikalen sind besessen von einer Verschwörungstheorie: Sie fabulieren von einer "Bilderberggruppe", die angeblich eine Neue Weltordnung anstrebt. Diesen Bilderberglern spürt Ronson in seinem letzten Kapitel nach. Seine 13 Texte bilden zusammen einen mächtigen Verschwörerzirkel, dem wir nur auf eine Weise beizukommen wissen: Lesen!

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