Kant privat Gesellige Tafelrunde krönte den Arbeitstag

Genialer Gedankenreichtum, aber ein monotoner Alltag - dieses Klischee hängt Immanuel Kant bis heute nach. Allerdings hatte Kant ein interessantes intellektuelles und gesellschaftliches Leben.

Genialer Gedankenreichtum, aber ein monotoner Alltag - dieses Klischee hängt Immanuel Kant (1724-1804) bis heute nach. Der Philosoph hielt seinen Tagesablauf streng geregelt. Seine Universitätskarriere verlief ohne Brüche. Er hatte keine Familie, Frauen spielten in seinem Leben keine Rolle. Und über seine Geburtsstadt Königsberg kam er nie mehr als hundert Kilometer hinaus.

Neue Biografien - so Manfred Kühns "Kant" und Manfred Geiers "Kants Welt" - zeichnen allerdings ein vielseitigeres Bild. Kant hatte danach ein interessantes intellektuelles und gesellschaftliches Leben. Dem Hinweis auf seine geographische Enge ist schon oft entgegen gehalten worden: Seine täglichen Spaziergänge mit offenen Sinnen seien für ihn sicher anregender gewesen als für andere eine Reise um die Erde. "Die großen Abenteuer fanden in seinem Kopf statt", sagt Geier.

"Eleganter Magister" in jungen Jahren

Streng geregelt war Kants Leben ohnehin wohl erst in späteren Jahren. Der jüngere Philosoph war eher locker, er spielte gern Karten, ging ins Theater oder Konzert. Als "eleganter Magister" achtete er auf sein Äußeres. Der Denker Kant stand meist um 5.00 Uhr morgens auf. Bevor er an die Arbeit ging, trank er Tee und rauchte eine Tabakspfeife. Solange er noch kein eigenes Haus hatte, aß er mittags in Gaststätten - mehr als 30 Jahre lang. Nach dem Essen machte er einen Spaziergang und verbrachte den Rest des Nachmittags bei seinem Freund Joseph Green, einem englischen Kaufmann. Am Abend erledigte er leichtere Arbeiten und las. Um 22.00 Uhr ging er zu Bett.

Ausgedehnte Mittagessen

Nach dem Tod Greens stellte der nun 63 Jahre alte Professor eine Köchin an und lud fortan Gäste zu ausgedehnten Mittagessen in sein Haus ein. Diese Tischgesellschaften mit Gesprächen über Alltägliches und Politik waren für ihn der Höhepunkt des Tages. Kant verfolgte das Weltgeschehen und war keineswegs eine isolierte komische Figur. In seinen letzten Jahren litt er unter deutlichem Nachlassen seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Er sagte einmal: "Meine Herren, ich bin alt und schwach. Sie müssen mich wie ein Kind behandeln." Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag starb er.

DPA

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