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Phantomstädte und Phantasie-Inseln: Dieser Reiseführer bringt Sie zu den seltsamsten Orten der Welt

Geisterstädte, vergessene Inseln und Niemandsländer - manche Orte scheinen fantastische Erfindungen zu sein, doch sie sind Realität. Ein britischer Reiseführer begleitet uns zu den seltsamsten Plätzen dieser Welt.

Geisterstädte, vergessene Inseln und Niemandsländer - ein Reiseführer begleitet uns zu den seltsamsten Plätzen dieser Welt.

Von Attrappen und Geisterstädten: die seltsamen Orte Kijong-dong in Nordkorea (o.) und Agdam in Aserbaidschan

Eine Stadt wie Kijong-dong kann sich nur Nordkorea ausdenken. Sie scheint einem irren Fantasy-Roman entsprungen zu sein. Denn Kijong-dong hat keine Einwohner, es kann auch niemand diese Stadt besuchen. Kijong-dong ist eine Simulation. Die großen Wohnblocks mit ihren glänzend blauen Ziegeldächern sind leer.

Trotzdem erstrahlt die Stadt nachts in hellem Licht, das nach einem festen Rhythmus an- und ausgeht. Und in regelmäßigen Abständen werden die Straßen des Geisterortes gefegt.

Viele Nordkoreaner würden sich sicher freuen, in einer so modernen Stadt zu leben. Nur leider ist Kijong-dong eben gar nicht für Nordkoreaner gedacht, sondern eine einzige große Propagandaveranstaltung für den Erzfeind im Süden. Denn die Phantomstadt liegt direkt an der Grenze zu Südkorea. In den 1950er Jahren wurde das sogenannte Friedensdorf errichtet, um potenzielle Überläufer anzulocken. Die Südkoreaner sollten von so viel Modernität und Fortschritt im kommunistischen Norden beeindruckt werden. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass sich je ein Südkoreaner von dem Wahnbild täuschen ließ.

Seltsame Orte gibt es überall

Kijong-dong ist sicherlich einmalig, doch kuriose Orte gibt es überall auf der Welt. Der britische Geograf Alastair Bonnett hat einen Reiseführer der anderen Art geschrieben. In "Die seltsamsten Orte der Welt" stellt er Plätze, Städte, Gebiete vor, die unseren Erwartungen und Erfahrungen an geografische Orte zuwiderlaufen. 

Etwa Inseln, die auftauchen und wieder verschwinden oder solche, die nie existiert haben, aber dennoch auf Karten eingetragen sind, Geisterstädte wie das aserbaidschanische Agdam, die verlassen und gesprengt wurden, geschlossene Städte wie das russische Selenogorsk, die Ortsfremde nur mit spezieller Genehmigung betreten dürfen.

Es gibt auch Gebiete, die einfach niemand haben will, so etwa das ostafrikanische Bir Tawil, das sowohl von Ägypten als auch vom Sudan verschmäht wird. Andernorts ist die Grenzziehung so anarchisch, dass bizarre Enklaven entstehen - nicht immer zur Freude der Bewohner.

Kuriose Grenzstädte

An der Grenze von Indien und Bangladesch etwa gab es bis vor kurzem die sogenannten Chitmahals. Fast 200 Enklaven drängten sich in dem Grenzgebiet, was zu absurden Situationen führte. So fand sich hier zum Beispiel die weltweit einzige Unter-Unterenklave: "Sie trägt den Namen Dahala Khagrabari und besteht aus siebentausend Quadratmetern Indien innerhalb eines bengalischen Dorfes, das seinerseits innerhalb einer indischen Enklave in Bangladesch liegt." Alles klar? Für diese Enklaven fühlte sich keiner so recht zuständig, so dass die Bewohner ihr eigenes Justiz- und Verwaltungssystem aufbauten. Streitigkeiten mussten sie selbst schlichten, was zu anarchischen und unerfreulichen Zuständen führte. Erst im Sommer 2015 wurde die groteske Situation durch einen Landtausch zwischen beiden Staaten beendet.

Entspannter ist die Situation im holländischen Baarle-Nassau und belgischen Baarle-Hertog, Nachbargemeinden, die durch eine chaotische Grenzziehung voneinander getrennt oder vielmehr miteinander verbunden sind. Auf einem 160 Meter langen Straßenstück kann man hier schon einmal fünf nationale Grenzen überschreiten. Es ist möglich, dass die Grenze mitten durch ein Haus verläuft. Aber auch das sehen die Bewohner pragmatisch: Das Haus gehört eben zu dem Land, wo sich die Haustür befindet.

Die Sehnsucht nach dem Unbekannten

Es gibt auf der Erde immer weniger Orte zu entdecken, und manche Entdeckungen erweisen sich dann auch noch als Fata Morgana.So geschehen mit Sandy Island, einer Insel östlich vom australischen Queensland, die 1908 erstmals auf einer Karte auftauchte und deren Existenz immer weiter fortgeschrieben wurde, bis ein australisches Forschungsschiff 2012 an der Stelle des angeblichen Eilandes einfach nur Wasser fand. Inzwischen wurde die Insel auf Google Earth gelöscht. Aber die Sehnsucht nach dem Unbekannten wird nicht aufhören. "Wir brauchen widerspenstige, ungebärdige Orte, die sich Erwartungen verweigern", meint Bonnet. Sein Buch jedenfalls zeigt die Faszination, die von diesen Orten ausgeht.

DPA
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