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Hörspielreihe wird 40 Vier Freunde für ein Halleluja: Dem Retro-Charme von TKKG bin ich noch immer verfallen

TKKG-Hörspiele und ein Kassettenrekorder
TKKG-Hörspiele und ein Kassettenrekorder
© Christof Bock / Picture Alliance
Tim, Karl, Klößchen und Gaby halten zusammen und kämpfen für das Gute. Darum geht's bei TKKG eigentlich, und das funktioniert heute so gut wie vor 40 Jahren. Über andere Aspekte der Reihe kann man allerdings durchaus diskutieren.

Zum Kult wurden sie dank der Hörspielreihe, und die feiert heute Geburtstag: TKKG werden 40, obwohl sie hartnäckig 14 bleiben und nach wie vor in ihrer namenlosen Großstadt für Recht und Ordnung sorgen, wenn Kommissar Glockner und seine Kollegen gerade keine Zeit haben.

Meine Begeisterung für die vier Jungdetektive begann allerdings mit den Büchern, die die Vorlage für die meisten Hörspielfolgen lieferten, denen mit den markanten Einbänden auf dunkelblauem Grund, aus dicker Pappe. Mit elf oder zwölf Jahren nahm ich zum ersten Mal einige aus der Bücherei mit nach Hause und war fasziniert. Nicht zuletzt davon, dass Autor Stefan Wolf (der eigentlich Rolf Kalmuczak hieß) permanent Slangbegriffe benutzte, die er anschließend, in Klammern gesetzt, für die unschuldige, minderjährige Leserschaft "übersetzte". So wie die lateinischen Ausdrücke in den Asterix-Comics, nur eben mit "schlauchen" oder "den Polypen Lampen machen" statt "alea iacta est".

Ausgedachte Slang-Begriffe, überholte Weltanschauung

Im Rückblick vermute ich, dass ein nicht zu unterschätzender Teil dieser coolen Großstadtwörter schon damals eher ausgedacht als in der coolen Großstadt in Gebrauch war. Im Rückblick muss man auch der Kritik vieler woker Millenials rechtgeben: Tim, Karl, Klößchen und Gaby haben es noch nicht so mit political correctness, man stolpert besonders in den frühen Folgen immer wieder mal über Rassismus, Klassismus, einen überraschenden Mangel an Empathie und natürlich das permanente Fatshaming, wenn es um den armen Willi "Klößchen" Sauerlich geht. Als Kind und Teenie fand man diese klare Aufteilung in Gangster und Helden allerdings irgendwie okay, und alles, was einem heute aufstößt, fiel einem so gar nicht unangenehm auf. Und hat zumindest mich auch gottseidank nicht zu einer elitären Rassistin gemacht.

Was ich aber gestehen muss: Dass ich als Mädchen natürlich damals, und selbst heute noch ein bisschen, wie Gaby Glockner sein wollte. Cool, mutig, überdurchschnittlich attraktiv. Wenn ich mich vor dem Lockdown morgens zu nachtschlafender Zeit auf den Weg ins Schwimmbad machte, um zumindest ein bisschen Sport zu machen, war da manchmal der Gedanke an die Profi-Schwimmerin Gaby, der irgendwie motivierend war. Heute kratzt man sich allerdings am Kopf und fragt sich, wie ein Autor ein dreizehnjähriges Mädchen in einer Jugendbuchreihe derart sexualisiert beschreiben konnte. Glücklicherweise kapierte man das mit zwölf noch nicht wirklich.

Die Grundidee ist immer noch gut

Nach der Begeisterung für die Bücher folgte auch bei mir schnell die Begeisterung für die Hörspiele. Die eingängige Titelmusik, die gut ausgewählten Sprecher, die spannenden Fälle – es hat schon seine Gründe, dass auch heute noch viele Menschen – darunter enorm viele Erwachsene – die Folgen hören, die inzwischen auch bei Spotify verfügbar sind. Von den Sprechern sind inzwischen allerdings nur noch zwei "Originale": Klößchen wird seit 40 Jahren von Manou Lubowski gesprochen, Tim von Sascha Draeger. Die Gaby-Sprecherin Veronika Neugebauer starb tragischerweise 2009 an Krebs (hier sei dieser sehr lesenswerte Artikel empfohlen) und wird heute von der Schauspielerin Rhea Harder gesprochen. Niki Nowotny, der den Karl sprach, wurde nach einem Rechtsstreit durch Tobias Diakow ersetzt.

Bei einem Pressetermin durfte ich die vier aktuellen Sprecher vor Jahren einmal treffen und muss gestehen, dass ich das feierte, als wäre ich 1996 Take That begegnet. Dass das PR-Team an die Journalisten Tafeln echter "Sauerlich"-Schokolade verteilte, gab meiner Laune damals den Rest. Darf man TKKG immer noch gut finden? Ich meine: Ja. Denn seit den 80ern ist viel passiert – in der Welt und in unseren Herzen und Gehirnen. Und heute bemühen sich alle Beteiligten der Hörspielreihe, die Fehler aus den 80ern nicht zu wiederholen. Und die Grundidee – vier sehr verschiedene Freunde setzen sich gemeinsam für Gerechtigkeit ein – ist ja eine zeitlose.


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