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"Alien vs. Predator": Gipfeltreffen der Monster

Schleimige Aliens kämpfen gegen die ebenfalls außerirdischen Predator-Krieger. Regisseur Paul W.S. Anderson jagt in dieser düsteren Endzeitvision die Ausgeburten der Hölle durch klaustrophobische Sets.

Alle Jahre wieder schleimen sich Aliens an uns heran, und in der neuesten Fortsetzung „Alien vs. Predator“ sind sie näher als je zuvor. Denn um die beiden außerirdischen Spezies zu vereinen, haben sich die Drehbuchschreiber eine recht piffige, Däniken-artige Mythologie ausgedacht, in der die terrestrische Zivilisation nichts weiter ist als ein Abfallprodukt sorgsam gehegter Predatoren-Jagdgründe.

Aber der Reihe nach: Als unter der Antarktis per Satellit Pyramiden entdeckt werden, begibt sich Multimillionär Weyland mit einem hochrangigen Forschungsteam in die Kälte, um nachzuschauen, was dort unten los ist. Das Problem dabei: Jeder Zuschauer kann es sich grob ausmalen, denn nicht umsonst verspricht der Filmtitel Aliens. Und wer im Kino schon mal Bekanntschaft mit den Predatoren gemacht hat, weiß, dass diese Sorte Außerirdischer auf der Erde zu jagen pflegen.

Stilistischer Eklektizismus

Regisseur Paul W.S. Anderson, der bereits in "Resident Evil" ein gutes Händchen für sinnlos-brachiale Blut- und Ekel-Orgien bewiesen hatte, stehen nun 65 Millionen Dollar zur Verfügung, um das zu erwartende Gemetzel mit einem beeindruckenden Brimborium zu überbauen. Von der frühägyptischen Pyramide bis zum späten Albert Speer reicht der stilistische Eklektizismus des monumentalen Labyrinths unter dem ewigen Eis, das immerhin eine Abwechslung zur sonstigen Raumschiff-Tristesse darstellt.

Der Anführer des Teams ist die grimmige Alex, die allerdings im Vergleich zu Sigourney Weavers Lieutenant Ripley eine recht profillose Amazone bleibt. Sie hat ja auch keine Zeit, Führungsqualitäten zu entwickeln, denn ihr Team wird ebenso schnell vorgestellt wie nacheinander dahingemeuchelt von den sabbernden Springteufeln, die auf menschliche Wirte erpicht sind, um sich zu vermehren.

Menschen als Brutkästen

Und das ist ganz im Sinne der Predatoren, die nämlich seit Urzeiten die Menschen als Brutkästen für ihre bevorzugte Alien-Jagdbeute ausersehen haben. Fünf dieser Jäger, die sich, versehen mit Rüstung und Rastalocken, nach Belieben unsichtbar machen können, treiben sich also ebenfalls in den Katakomben herum.

Viel Schleim, wenig Spannung

Eingeschworene Fans mögen in diesem Monster-Eintopf vielleicht Genuss darin finden, die Anspielungen auf vorige Schlachtplatten zu entziffern. Neu ist auch, dass die Aliens im irdischen Kohlenkeller viel schneller brüten und Babys werfen als sonst. Für den nur amüsierwilligen Rest des Publikums gibt es zwar viel Schleim, aber wenig Spannung, denn zwei Drittel des Spektakels gehen für eine umständliche Exposition drauf, - ohne dass es Anderson gelingt, sein menschliches Kanonenfutter über Stereotypen und unfreiwillig komische Dialoge hinaus interessant zu gestalten.

Der Rest besteht vorwiegend aus monotonem Monster-Schlagabtausch in dunklen Gängen. Dass der hübschste Mann des Teams, der italienische Schauspieler Raoul Bova, als letzter abtritt, tröstet die Heldin ebenso wenig wie die Zuschauerinnen dieser gruftigen Großwildjagd, deren Stars so außerordentlich unansehnlich sind.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Und so stimmt man mit Arnold Schwarzenegger überein, der einst im ersten "Predator"-Film stöhnte: "Igitt, bist du hässlich!", als er dem Predatoren ins Antlitz blickte. Was sich Alex selbstverständlich verkneift, die als einzige Überlebende zwischen Aliens und Predatoren gerät und sich getreu dem Motto "meines Feindes Feinde sind meine Freunde" verhält. Dabei erinnert dieses martialische Kalte-Kriegs-Szenario vielleicht nicht zufällig an die kalten Krieger früherer Jahrzehnte, die sich ebenfalls an hässliche, bärtige Verbündete 'ranschmissen. Wenn das mal gut geht: der Film ist mehrfach auf Fortsetzungen angelegt, und der Fantasie sind dabei, wie vor kurzem mit "Freddy vs. Jason" oder einst "King Kong vs. Godzilla" keine Grenzen gesetzt. Warum nicht mal "Alien vs. Dracula" oder "Alien vs. E.T."? Man darf gespannt sein.

Birgit Roschy/AP / AP
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