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"Asterix und die Wikinger": Hip-Hop im Gallierdorf

Im achten Asterix-Zeichentrickfilm verprügeln die Gallier hauptsächlich furchtlose Nordmänner anstelle von zittrigen Römern. Obendrein bringt ein verweichlichter Stadtjunge Hip-Hop-Musik und SMS ins abgeschiedene Dorf.

Von Jakob Nienstedt

Langeweile herrscht im kleinen, unbeugsamen Gallierdorf. Geprügelt wird sich nur noch untereinander, die ängstlichen Legionen Cäsars lassen sich kaum noch blicken. Die rauflustigen Krieger müssen schon selbst zum römischen Lager wandern, um eine ordentliche Schlägerei zu provozieren. Doch "beim Teutates!" die zittrigen, verstörten Römer leisten nicht mal Widerstand.

Da kommen die Wikinger gerade recht. Denen ist nämlich auch langweilig, da alle Bewohner, deren Dörfer sie überfallen wollen, bei ihrer Ankunft schon ausgeflogen sind. So kommen sie zu dem Trugschluss, dass Angst Flügel verleihe. Die furchtlosen, aber nicht besonders hellen Wikinger wollen auch das Fliegen lernen und suchen daher nach dem Meister der Angst, der ihnen das Fürchten beibringen soll.

"Voll im Altersheim gelandet"

Bei ihrer Suche stoßen sie ausgerechnet bei den ebenfalls furchtlosen Galliern auf den weltweit größten Angsthasen. Der Neffe von Majestix soll von Asterix, dem Comedian Christian Tramitz seine Stimme leiht, und Obelix zum echten Mann, zu einem richtigen Krieger ausgebildet werden. Die Bohnenstange namens Grautvornix, gesprochen von Smudo von den Fantastischen Vier, hat aber ganz andere Interessen, als Hinkelsteine zu heben oder Wildschweine zu jagen. Völlig unverständlich für Obelix ernährt sich der Stadtjunge vegetarisch, schläft bis in die Puppen und ist bekennender Pazifist. Außerdem hat Grautvornix ganz im Gegensatz zu seinem Namen vor allem und jedem Angst. Statt sich zu prügeln, tanzt er lieber zu Hip-Hop-Musik oder flirtet über seine Brieftaube SMSix mit seinen "Bräuten" aus der Großstadt. Im Gallierdorf fühlt er sich "voll im Altersheim gelandet" und beim Anblick von Miraculix und dem Zaubertrankkessel fragt er doch glatt, ob der Opa hier 'ne Suppenküche betreibe?

Als der Hasenfuß von den Wikingern entführt wird, eilen Asterix und Obelix hinterher, um ihn zu befreien und die Nordmannen so richtig schön aufzumischen. Als "Asteraf" und "Obelaf" schleichen sich die beiden in die Wikinger-Siedlung und lernen "Walross à la Crème" zu schätzen. Als böser Gegenspieler stellt sich ihnen schnell der intrigante Kryptograf, gesprochen von Dieter Hallervorden, in den Weg.

Heutige Jugendkultur trifft auf altertümliche Gallier

"Asterix und die Wikinger" bleibt der Tradition der Asterixfilme treu. Der harmlose Spaß amüsiert Kinder, erreicht aber wie seine Vorgängerfilme nicht die Klasse der Comic-Vorlage, und wird daher beim Erwachsenenpublikum aller Wahrscheinlichkeit nach durchfallen. Dennoch ist der achte Teil der Zeichentrick-Saga bei weitem nicht der schlechteste der Reihe. Geschickt gelingt es den Regisseuren Stefan Fjeldmark und Jesper Møller den zeitlosen Charme der alten Filme in die heutige Zeit zu übertragen. Die traditionsbewussten Gallier werden mit Teenagerträumen und der zeitgenössischen Jugendkultur konfrontiert. Beim "Abgrooven" zur Lieblingsmucke eines Teenagers im Gallierdorf und beim Versenden von Flirt-SMS via Brieftaube trifft die Römerzeit auf das 21. Jahrhundert.

Auch Anspielungen auf das, was heutzutage üblicherweise mit Skandinavien assoziiert wird, dürfen natürlich nicht fehlen. So ist die emanzipierte Frau des Wikinger-Führers Maulafs eine begeisterte Wohnungseinrichterin und trägt den passenden Namen Vikea. Nora Tschirner spricht seine hübsche, heranwachsende Tochter Abba, die dem pubertierenden Grautvornix den Kopf verdreht. Die Starsprecher-Riege wird von Götz Otto komplettiert, der den ein wenig unterbelichteten Sohn des Kryptografen spricht.

Wohltuender europäischer Charme

Vom Esprit und Drive der Kultcomics konnte der Film zwar nur ein paar vereinzelte Witzchen auf die Leinwand retten, für ein bisschen Nostalgie und Kindesfreude langt das jedoch allemal. Wohltuend sind der europäische Charme, in Abgrenzung zu den amerikanischen oder auch japanischen Trickfilmen, und die Tatsache, dass trotz aller Animationstechnologie immer noch vieles von Hand gezeichnet wurde.

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