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"Burlesque"-Filmkritik: Das Glück der halbnackten Frauen

Dita von Teese hat Burlesque zum Mainstream gemacht. Nun gibt es den Film zum spärlich bekleideten Räkeln. Christina Aguilera und Cher machen das, was sie am besten können: Haut zeigen und singen.

Von Sophie Albers

Erinnern Sie sich noch an "Moulin Rouge!", dieses Leinwandfest der Sinne vor zehn Jahren? Als Nicole Kidman noch Ausdruck im Gesicht und ihren Durchbruch hatte, und als Ewan McGregor mit einer wirklich beeindruckenden Singstimme um die Montmartre-Ecke kam?

Während Regisseur Baz Luhrmann mit größtmöglichem Aufwand und kindlicher Freude die Romantik seines Credos "Wahrheit, Schönheit, Freiheit, Liebe" feierte, gab es damals auch noch ein Musikvideo namens "Lady Marmalade", dessen Refrain eigentlich "Voulez-vous couchez avec moi" hieß (Wollen Sie mit mir schlafen). Darin spielte Christina Aguilera neben Pink, Lil'Kim und Maya die ordinäre, massentaugliche Variante der Can-Can-Tänzerin: die aus diversen Musikvideos bekannte Pop-Prostituierte. Sie sieht zwar so aus, als wäre sie käuflich, aber eigentlich ist es nicht mehr als ein Lap-Dance. Will sagen: Frauen in Strapsen und Corsagen räkeln sich auf Betten und Chaise Longues, während sie besagten Refrain singen und locken - mit allem, was sie haben.

Mehrfachverwertung

Der Song war ein großer Erfolg, gewann zig Preise, darunter einen Grammy, und schaffte es nach ganz oben in den internationalen Charts. Und weil Hollywood ganz fest an die Mehrfachverwertung glaubt, gibt es nun, zehn Jahre später, den Film zum Video. Mittlerweile - vor allem dank Dita von Teese - sind die sich räkelnden, spärlich bekleideten Mädchen nämlich Mainstream.

Aber nun endlich zum Film: Mehrfachverwerteter Star des Zieh-aus-Mädchen-Märchens ist Christina Aguilera. Sie spielt Ali, eine Landpomeranze aus Iowa, die in Los Angeles Showbiz-Karriere machen will. Sie findet einen Burlesque-Club und einen Mutterersatz in dessen Besitzerin, gespielt von der Königin der Mehrfachverwertung Cher. Dann beginnt der "harte" Aufstieg von der Kellnerin zum glitzernden Burlesque-Star. Und am Ende sieht Aguilera wieder so aus wie damals im Video.

Vollbad im Klischee

So weit, so Klischee, aber noch lange nicht genug. Es gibt einen schnuckeligen Kellner (Cam Gigandet), der dem armen Mädchen in der Not beisteht, den reichen, fiesen Schönling (Eric Dane), der Ali "ganz groß rausbringen" will, den schwulen, warmherzigen Kostümbildner (Stanley Tucci), die stutenbissige Konkurrentin (Kristen Bell) - und über all dem schwebt die seit Jahrzehnten unveränderte Miene von Cher.

"Burlesque" kann Spaß machen, wenn man sich auf das Glitzern, die falschen Wimpern, die Popsongs und die sehr geradeaus erzählte Geschichte einlassen mag. So lange man keine Überraschungen erwartet. Cher und Christina Aguilera bleiben in jeder Sekunde Cher und Christina Aguilera. Und die große Wahrheit des Films erschallt schon gleich zu Beginn: "Wenn du auf der Bühne hinfällst: Beine strecken und Brust raus." Mehr gibt es leider nicht. Oder doch: Natürlich gibt es auch noch einen Soundtrack zum Film. Der Mehrfachverwertungskreis muss schließlich geschlossen werden.