VG-Wort Pixel

"Der Fall Bruckner" Corinna Harfouch als mutige Jugendamt-Mitarbeiterin


Jugendämter sollen sich zwar um das Wohl der Kinder kümmern, sind aber oft überfordert. Es sei denn, es gibt eine besonders engagierte Mitarbeiterin. Corinna Harfouch brilliert in "Der Fall Bruckner".

Die Sozialpädagogin Katharina Bruckner (Corinna Harfouch) gibt alles für ihren Job im Jugendamt: Da sitzt eine verzweifelte Mutter vor ihr, deren Kinder sich entscheiden müssen, ob sie weiter in ihrem chaotischen Haushalt oder lieber im Heim leben wollen - sie entscheiden sich ganz bewusst für letzteres.

Ein nicht minder verzweifelter Vater will mit Waffengewalt die Trennung von seiner Tochter verhindern, bis zum Glück die besonnene Frau Bruckner eingreifen und vermitteln kann. Und doch wird sie selbst zu "Der Fall Bruckner", wie der ARD-Film an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr heißt.

Das liegt eigentlich am Fall Bremer: Die Architektin Jacqueline Bremer (Christiane Paul) und ihr Sohn Joe (Elon Baer) werden bei Bruckners Kollegen, dem Schulpsychologen Roman Schubert (Maximilian von Pufendorf), vorstellig, weil der siebenjährige Junge in der Schule als hyperaktiv auffällt. Schubert zieht Bruckner zu Rate, und ihr gegenüber behauptet Joe, dass Frau Bremer gar nicht seine Mutter sei. Katharina Bruckner kniet sich schnell und tief in den Fall hinein, obwohl sie auch noch genügend private Probleme hat: Ihr Mann Uwe (Bernhard Schütz) betrügt sie offensichtlich, Tochter Nina (Claudia Eisinger) lädt den Enkel bei ihr ab, Kollege Schubert hat mindestens ein Auge auf sie geworfen, und dann schleppt sie auch noch das Trauma um ihr eigenes kleines Kind herum, das einst an Leukämie starb.

Realer Blick auf die Arbeit von Jugendämtern

Und trotzdem riskiert sie Kopf und Kragen - und holt Joe schließlich in einer Polizeiaktion aus der Wohnung. Mit diesem Alleingang wagt sie einen Balanceakt. Natürlich muss eine Behörde solch einer Grenzüberschreitung irgendwie nachgehen, und so wird Katharina Bruckner vor einen Ausschuss zitiert, in dem ihr alle Kollegen in den Rücken fallen, und in dem es nur um ihre "Amtsanmaßung" geht (die sich später als völlig richtig erweisen wird), nicht aber um das Wohl des kleinen Joe. Am Ende gibt es Hoffnung, denn für Mutter und Sohn Bremer wird ein Weg gefunden: sie ziehen gemeinsam in ein familienintegratives Projekt. Das gibt es auch im "Kinderhaus Berlin - Mark Brandenburg e.V.", das von Dr. Hans-Ullrich Krause geleitet wird.

Krause ist (gemeinsam mit Cooky Ziesche) der Drehbuchautor dieses Dramas und sagt: "Man mag dem Film mit seinen diversen privaten Nebensträngen eine gewisse Überfrachtung vorwerfen, aber ich finde durchaus, dass sie berechtigt sind und die Hauptfigur dadurch noch viel stärker und erklärbarer wird. Jugendamtsarbeit ist ein hoch kompliziertes, auch sehr dynamisches Geschehen. Da läuft so gut wie nichts linear, nichts ist wirklich vorhersehbar. Das war ja auch ein Grund, diesen Film zu machen, dass die Zuschauer einen realen Einblick erhalten können. Auch, dass es dort tolle Leute gibt, die sich wirklich engagieren. Dabei ist diese Frau, unsere zentrale Figur, wirklich schon etwas ganz Besonderes!"

Corinna Harfouch gibt dieser engagierten und stets gleichbleibend freundlichen Beamtin, die eben nicht im Amtsapparat untergehen will, eine intensive Mischung aus Intuition, Hilfsbereitschaft und Konsequenz. Immer wieder fragt sie im Film "Wie habe ich mir das vorzustellen?" und nimmt den Zuschauer so mit an die Hand, denn im Grunde geht es um Dinge, die schlichtweg nicht vorstellbar sind. Das ist einfach großartig gespielt, auch von Christiane Paul. Regisseur Urs Egger trägt am Ende etwas zu dick auf, legt aber doch einen ambitionierten und nachdenklich stimmenden Film vor, wie man ihn leider viel zu selten zu sehen bekommt.

Klaus Braeuer, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker