"Die Passion Christi" Passionsspiel-Darsteller sieht Gibson-Film


Zwei Männer, die nur eine Gemeinsamkeit haben: Der Christus aus Oberammergau trifft im Kino auf den Hollywood-Christus Gibsons.

Zwei Römer in goldenen Sandalen stehen am Donnerstagabend vor einem Münchner Filmpalast. Sie verteilen Handzettel, aus Protest gegen den neuen Mel Gibson Film "Die Passion Christi". Der Christus-Darsteller aus den Oberammergauer Passionsspielen läuft an ihnen vorbei und steckt einen der Zettel in die rechte Jackentasche. "Die Kostüme bei uns sind schöner, da könnten sich diese Römer da noch was abschauen", sagt Anton Burkhart. Der Christus aus Oberammergau trifft im Kino auf den Hollywood-Christus Gibsons.

Der Oberammergauer Förster Anton Burkhart wurde vom Leiter der Passionsspiele im Jahr 2000, Christian Stückl, für die Jesus-Rolle vorgeschlagen, der Hollywood-Schauspieler James Caviezel wurde von Mel Gibson gecastet. Zwei Männer, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie spielen Christus. "Eigentlich bin ich zu groß und zu kräftig, um den Jesus im Passionsspiel darzustellen", erläutert der 34-jährige Burkhart. Er lässt sich von der Werbung auf der Kinoleinwand nicht ablenken, wenn er die technischen Probleme schildert: Das Holzkreuz in Oberammergau ist hohl und doch lasten 40 Kilogramm auf seiner Schulter. "Das würdevoll aussehen zu lassen ist wahnsinnig schwer."

"Effekt-Hascherei"

Breitschultrig, die Hände im Schoß gefaltet sitzt er im Kinosessel. Im Film sieht man Jesus betend und zitternd im Garten Gethsemane, der Verrat von Judas steht kurz bevor, die Szene ist in blauen Nebel getüncht, das Publikum ahnt das kommende Unheil und sogar das sonst unvermeintliche Knistern mit der Popcorntüte hört auf. Anton Burkhart lacht leise. "Effekt-Hascherei" lautet sein Kommentar.

Bombast nach Hollywood-Art

Burkhart hat sich von klein auf mit der Passionsgeschichte befasst. Als Zehnjähriger spielt er zum ersten Mal in den alle zehn Jahre statt findenden Passionsspielen in Oberammergau mit. Wäre "Die Passion Christi" nicht in den Originalsprachen Aramäisch und Lateinisch gedreht, könnte er die Textpassagen aus dem Kinofilm auswendig mitsprechen. Mel Gibson spielt mit Zeitlupen, Rückblenden, Nahaufnahmen. Burkhart ist Fan von schlichten Darstellungen - das passt mit Hollywood nur schwer zusammen.

Kritische Darstellung des Pontius Pilatus

Auch die Darstellung des geschichtlichen Hintergrunds in dem Film sieht der Oberammergauer "Jesus" kritisch. "Pontius Pilatus war der brutalste Kerl im römischen Reich", sagt Burkhart entrüstet. Denn bei Mel Gibson wäscht der römische Statthalter seine Hände buchstäblich in Unschuld. Nach einem beschaulichen Anfang nimmt im Film endgültig die Gewalt überhand. "Diese Brutalität nimmt dem Film jede Aussage", kritisiert Burkhart hinterher. Natürlich fließe in Oberammergau auch Blut. Allerdings nehme dort die Kreuzigung nur einen kleinen Teil der Aufführung ein. "Ich habe Zuschauer schon gebeten, ihre Kinder während der Kreuzigungsszene nach hinten zu setzen."

Den Darsteller im Film James Caviezel will Burkart nicht beurteilen. "Er hatte wenig Möglichkeiten zu spielen, die Maskenbildner waren da wichtiger als der Schauspieler", meint der Oberammergauer Christus-Darsteller.

Franziska Storz, DPA DPA

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