"Die Passion Christi" US-Juden durch Mel Gibsons Jesus-Film verunsichert


Immer mehr amerikanische Juden fühlen sich nach US-Medienberichten verunsichert durch die Auseinandersetzungen um den Jesus-Film des Hollywood-Stars Mel Gibson.

Immer mehr amerikanische Juden fühlen sich nach US-Medienberichten verunsichert durch die Auseinandersetzungen um den Jesus-Film des Hollywood-Stars Mel Gibson. Vor der US-Premiere von "Die Passion Christi" am Aschermittwoch (25.2.) seien jüdische Organisationen intensiv bemüht, gegen den Eindruck vorzugehen, dass Juden für die Kreuzigung von Jesus verantwortlich gemacht werden könnten, berichtete die Zeitung "New York Daily News". Gibson beteuert inzwischen mit einer Fernsehdokumentation über die Entstehung von "Die Passion Christi", er sei durch religiöse Erleuchtung zu dem Film veranlasst worden.

"Wir rufen nicht zum Boykott (des Films) auf, aber es ist wichtig, Menschen für unsere Besorgnisse zu sensibilisieren", sagte Joel Levy, Regionaldirektor der Anti-Defamation League der Zeitung. Bei jüdischen Geistlichen und Verbänden seien unzählige sorgenvolle Anfragen von Gläubigen eingegangen. "Sie wollen wissen, wie sie damit umgehen können", sagte Mark Weitzman, Direktor der Arbeitsgruppe gegen Hass des Simon-Wiesenthal-Zentrums. "Die Sorge ist, dass er (Gibson) die schlimmstmögliche Interpretation der Passionsgeschichte gewählt hat, zu der es gehört, die Juden des Gottesmordes zu beschuldigen und diese Anschuldigung auf alle Juden zu übertragen, einschließlich der heute lebenden."

Schonungslose Brutalität

Der Film "Die Passion Christi", der in schonungsloser Brutalität und nach Kritikermeinung mit an Blutrünstigkeit grenzenden Szenen den Leidensweg Christi in den letzten zwölf Stunden seines Lebens darstellt, läuft am Mittwoch gleichzeitig auf 2800 Kinoleinwänden an. Zehntausende Karten wurden bereits im Vorverkauf erworben, darunter viele von christlichen Kirchengruppen, die sich den Film bereits am Premierentag gemeinsam anschauen wollen.

Vorwurf: Die Rolle des Kaiphas falsch dargestellt

Hochrangige Vertreter jüdischer US-Gemeinden, die den Film bereits in Sondervorführungen sehen konnten, haben Gibson vorgeworfen, das Geschehen im Prozess gegen Jesus Christus verfälscht darzustellen. So werde der Eindruck erweckt, nicht der römische Prokurator Pontius Pilatus, sondern allein der jüdische Hohepriester Kaiphas, der im Jesus-Prozess Vorsitzender des Gerichtshofes war, habe die Kreuzigung Jesu angeordnet.

Rabbis und Prieser ziehen an einem Strang

"Kritiker des Films befürchten, dass er anti-jüdische Angriffe auslösen und Jahrzehnte der jüdisch-christlichen Aussöhnung zunichte machen könnte", schreibt die Zeitung "Daily News". Um ein Zeichen der Verständigung und der gegenseitigen Achtung zu geben wollen in New York bekannte Rabbis und Priester gemeinsam zur Filmpremiere gehen und danach eine Pressekonferenz geben.

Göttliches Zeichen?

Mel Gibson erklärte in der TV-Dokumentation, die am Sonntagabend von US-Kabelprogrammen ausgestrahlt wird, er sei durch göttliche Zeichen veranlasst worden, den Jesus-Film zu produzieren. Vor Jahren sei eine fremde französische Frau auf ihn zugekommen und habe gesagt "Jesus liebt dich". Auf die Vorwürfe gegen den Film ging er nicht direkt ein. "Die Wahrheit ist ein machtvolles Material", sagte Gibson laut vorab veröffentlichten Auszügen. Auch Jesus-Darsteller Jim Caviezel erklärte, er habe Zeichen empfangen. Sechs Monate bevor er von dem Film hörte, sei ein fremder Mann zu ihm gekommen und habe erklärt: "Du wirst Jesus spielen."

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker