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"Die Töchter des chinesischen Gärtners": Chinesinnen trotzen der Gefahr

Mit "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" gelang Dai Sijie ein internationaler Erfolg. In seinem neuen Film erzählt er von zwei Frauen, deren erotische Beziehung durch gesellschaftliche Hindernisse erschwert wird.

Mit "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" hat sich der chinesische Autor und Regisseur Dai Sijie international einen Namen gemacht. Auch in seinem neuen Werk "Die Töchter des chinesischen Gärtners" spielt die Liebe eine Hauptrolle - diesmal als erotische Beziehung zweier Frauen. Beim World Film Festival in Montréal gewann der Film 2006 den Publikumspreis.

Die Halbchinesin Li Ming (Mylène Jampanoi) beginnt auf der Insel des Botanik-Professors Chen (Dongfu Lin) ein Praktikum. In der exotischen Pflanzenpracht trifft sie auf die gleichaltrige Tochter des Professors, An (Li Xiaoran). Beide leiden unter Chens Strenge und kommen sich näher. Aus ihrer Freundschaft wird zunächst zärtliche Zuneigung und später eine leidenschaftliche Liebe - die im China der 1980er absolut tabu war. Um bei ihrer Freundin bleiben zu können, heiratet Li Ming den Bruder von An. Doch die fatale Entscheidung bringt das empfindliche Familiengleichgewicht aus dem Lot und die beiden Liebenden in große Gefahr.

Tiefer gehende Dialoge kommen zu kurz

"Die Töchter des chinesischen Gärtners" beeindruckt mit einfühlsamer Musik und wunderschönen Bildern. Gedreht wurde in Vietnam - in China wurde der Film verboten. Die Liebe zwischen Li Ming und An illustriert Dai Sijie mit erotischen Liebesszenen, wobei tiefer gehende Dialoge leider etwas zu kurz kommen. Mylène Jampanoi und Li Xiaoran verkörpern das lesbische Liebespaar überzeugend, obwohl sie im wirklichen Leben nicht die gleiche Sprache sprechen: "Wir verstanden uns perfekt, wenn es bei den Einstellungen um Emotionen ging", sagte die Chinesin Li Xiaoran.

Leider wirkt die Story nicht in allen Teilen einleuchtend. Insbesondere das Ende ist nicht ganz glaubwürdig. Dennoch berührt die Geschichte der beiden Frauen, deren Liebe durch politische und gesellschaftliche Hindernisse erschwert wird. Trotz aller Kritik liebt Dai Sijie, der im französischen Exil lebt, sein Geburtsland: "Ich persönlich glaube immer noch, dass China mein Land ist. Ein schwieriges Land, aber trotz allem noch meine Heimat."

Katrin Peters/DPA / DPA
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