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"Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" auf RTL: Alles nur geklaut

Das Buch war ein Bestseller, dem Film fehlt die Leidenschaft - da hilft es auch nichts, dass "Eragon" an jeder Ecke "Herr der Ringe" kopiert. Aber wenigstens die Special Effects sind sehenswert.

Von Angelika Unger

Das Fantasyabenteuer "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" ist eine Romanvorlage von Christopher Paolini: Das Buch, das dieser als 15-Jähriger geschrieben hatte, stand in den Bestsellerlisten monatelang ganz oben.

"Eragon" hat alle Zutaten, die ein Fantasyfilm braucht - schöne Frauen, schnelle Pferde, finstere Bösewichte und eine fast schon klassisch zu nennende Story: Bauernjunge findet Drachenei, Drache schlüpft, Junge und Drache ziehen los, um die Welt von grausamem Tyrannen zu befreien. Ein guter Film ist daraus aber trotzdem nicht geworden. Wenn ein computeranimierter Drache der überzeugendste Charakter ist, muss wohl irgendwas schief gegangen sein.

Schamlos geklaut bei "Herr der Ringe"

Allzu deutlich merkt man "Eragon" an, dass Regisseur Stefen Fangheimer eigentlich Special-Effects-Experte ist, bekannt etwa durch die Effekte bei "Twister" und "Der Sturm". Da mag die Drachendame Saphira noch so majestätisch über die Fabelwelt Alagaesia schweben - die Story kommt nie richtig in Fahrt. Fangheimer hetzt seinen Helden durch allerlei Gefahren beim vergeblichen Versuch, mehr als 600 Buchseiten in 104 Minuten Film unterzubringen. Von den Figuren, ihren Ängsten und Sehnsüchten bleibt auf diese Weise wenig übrig - besonders schade, weil Fangmeier mit Jeremy Irons, John Malkovich und Robert Carlyle ein Starensemble aufbietet.

Dass Christopher Paolini Tolkien-Fan ist, ließ sich schon in seinem Buch nicht verbergen. Und auch der Film bedient sich schamlos bei "Herr der Ringe": Die opulenten Landschaftsaufnahmen aus der Vogelperspektive, garniert mit über Bergkämme galoppierenden Helden, wirken hinlänglich bekannt, ebenso die martialischen Posen der Uruk-Hai-Kopien, die bei "Eragon" Urgal heißen.

Die Beziehung des jungen Drachenreiters Eragon zu seinem Mentor Brom (Jeremy Irons) weckt indes Erinnerungen an Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi. Und auch die schauspielerische Leistung des Eragon-Darsteller Edward Speleers lässt an "Star Wars" denken: Speelers ist nicht nur genauso jung und blond wie Hayden Christensen, der in Episode 2 und 3 den jungen Anakin Skywalker verkörperte, er agiert auch ähnlich hölzern.

Der Drache ist der eigentliche Star

Erst kurz vor Ende, bei der finalen Schlacht gut gegen böse, kommt doch noch so was wie Spannung auf. Zwar klaut Fangheimer die Massenszenen mit Rauch und Fackeln bei der Schlacht um Helms Klamm, samt der obligatorischen "Lasst niemanden am Leben"-Sprüche. Aber zumindest hat der durchgeschüttelte Zuschauer hier erstmals das Gefühl, dass ein Stück Geschichte auserzählt wird.

Zudem kann man dann noch einmal ausführlich den eigentlichen Star des Films in Aktion sehen: den blauen Drachen Saphira, zum Leben erweckt durch die renommierten Effektstudios Weta Digital ("Herr der Ringe") und Industrial Light & Magic ("Star Wars"). Im englischen Original leiht übrigens Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz Saphira ihre Stimme. Wer den Film auf Deutsch sieht, muss sich stattdessen mit Nena begnügen.

RTL zeigt "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" am Samstag, 20. Juli 2013, um 20.15 Uhr.

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