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"Fantastic Four": Sterben ist uncool

Vier Wissenschaftler entwickeln durch den Kontakt mit kosmischer Strahlung übernatürliche Kräfte, die sie im Kampf gegen den bösen Dr. Doom einsetzen - ohne dabei Spannung zu erzeugen.

Von Carsten Heidböhmer

Merkwürdige Dinge geschehen im obersten Geschoss eines New Yorker Wolkenkratzers: Lichter zucken durch die Scheiben und erleuchten die Stadt wie Blitze bei einem Gewitter. Der Wissenschaftler Reed Richards (Ioan Gruffudd) forscht fieberhaft daran, die Veränderungen in der DNA von ihm und seinen drei Freunden rückgängig zu machen. Bei einer Weltraumexpedition waren die vier Wissenschaftler mit kosmischen Strahlen in Berührung gekommen, die nicht ganz ohne Wirkung geblieben sind: Reed kann plötzlich seine Gliedmaßen beliebig verlängern. Seine attraktive Ex-Freundin Sue (Jessica Alba) verfügt dagegen neuerdings über die Möglichkeit, sich unsichtbar zu machen, während sich ihr Bruder Johnny (Chris Evans) begeistert zeigt von seiner neu gewonnenen Fähigkeit, seinen Körper in Flammen zu setzen. Nur der kumpelige Ben (Michael Chiklis) hat es schlecht getroffen: Er hat sich in einen lebendigen Felsblock verwandelt.

Für die Medien sind sie die "Fantastic Four" und werden wie Popstars gefeiert, doch die Betroffenen haben noch mit ganz anderen Problemen als den überraschenden Starrummel zu verkraftenen. Denn sie waren nicht allein auf ihrem Weltraumtrip. Die DNA des größenwahnsinnige Dr. Doom (Julian McMahon), der die Expedition ins All gesponsert hat, verändert sich ebenfalls: Er mutiert zum machthungrigen Bösewicht und wird sich im Laufe des Films immer mehr in eine Art Darth Vader für Arme verwandeln.

Klar, dass die vier Fantastischen und Dr. Doom aneinander geraten und den in einem Blockbuster zu erwartenden Kampf Gut gegen Böse ausfechten. So fährt dieser Film denn auch jede Menge Actionsequenzen und Kampfszenen auf, die eine anspruchsvolle Handlung und liebevoll entwickelte Charaktere von vornherein im Keim ersticken. Wogegen sich ja prinzipiell nichts einwenden ließe, wenn die Action gut gemacht wäre. Leider setzen die Spezial-Effekte in keinerlei Hinsicht Maßstäbe, die ganze Handlung will zu keiner Zeit richtig Fahrt aufnehmen.

Durchschaubare Konstellation

Überhaupt wird nicht richtig klar, ob hier vorrangig eine spannungsgeladene Geschichte erzählt werden soll, oder ob es nicht eigentlich um die durch ihre Deformation entstandene Schicksalsgemeinschaft "Fantastic Four" gehen soll. Ein Großteil seiner Zeit befasst sich der Film mit dem Verhältnis der vier zueinander. Doch allzu durchsichtig ist diese Konstellation aufgebaut: So zeichnet sich die Romanze zwischen dem verkopften Wissenschafter Reed und seiner Ex-Freundin Sue schon nach fünf Minuten ab. Gleichzeitig übernimmt Reed aber auch die Vaterrolle für die Gruppe, die schnell auseinanderzufallen droht. Der Hallodri Johnny ist ausschließlich am Genuss seines neu erworbenen Starruhms interessiert und hat keinerlei Verständnis für Reeds Versuche, die Mutation Rückgängig zu machen: "Bin ich der einzige, der das hier cool findet"? Mit dem zum Monster mutierten Ben gerät er ständig aneinander, sodass Reed und Sue Mühe haben, die Gruppe für die entscheidende Schlacht beieinander zu halten.

Auch das könnte einen spannenden Film ergeben: vier Menschen, die sich in neuen Rollen einfinden müssen. Doch dazu hätte es deutlich besserer Schauspieler bedurft: Die darstellerischen Leistungen sind durchweg dürftig; die Figuren wirken künstlich wie das Kostüm von Ben, genannt "das Ding". An einer Stelle kommt der Luftikus Johnny zu der Einsicht: "Sterben ist uncool". Dazu hättet Ihr erst einmal leben müssen, mag man ihm angesichts der leblosen Charaktere im Film zurufen.

Kassenerfolg in den USA

Die Kinozuschauer in den USA scheint dies alles nicht gestört zu haben. Gleich am ersten Wochenende setzte sich der von Bernd Eichinger produzierte Film an die Spitze der dortigen Kinocharts und spielte nach Studioangaben 56 Millionen Dollar ein. Damit bestätigt sich der aktuelle Trend, dass derzeit vor allem Comic-Verfilmungen den Kinos zu vollen Sälen verhelfen. "Batman begins" ist bereits erfolgreich gestartet, demnächst startet "Sin City". Und auch bei den "Fantastic Four" hält man sich ein Hintertürchen offen: Der Schluss des Filmes wartet mit einem Cliffhanger auf, der die Möglichkeit einer Fortsetzung in Aussicht stellt. Nach diesem Film darf man dies durchaus als Drohung auffassen.