"Juno" 16, schwanger und gut gelaunt


7,5 Millionen Dollar hat er gekostet, rund 140 Millionen bisher eingespielt. Einen Oscar gab es auch schon. "Juno" ist so gut, dass man kaum glauben mag, gerade eine Teenagerkomödie über die ungewollte Schwangerschaft einer 16-Jährigen zu sehen. Amerika hat eine sehr gute Seite, und die heißt Schlagfertigkeit.
Von Sophie Albers

Hollywood kann uns erzählen, was es will: Eine Stripperin im Leopardenoutfit hat das Drehbuch geschrieben - wie durchgeknallt, der Regisseur ist ein kanadischer Pragmatiker - wie öde, die Hauptdarstellerin eine Neuentdeckung - was für ein Zufall. Nein, "Juno" ist ein Film, bei dem einfach von vorne bis hinten alles stimmt. Und das war allen Beteiligten von vornherein klar, denn das passiert selten genug.

Die Geschichte: Ein Mädchen mit hüpfendem Pferdeschwanz und Stupsnase, mit dem man gerne übers Reiten oder auch Green Day reden möchte, findet heraus, das es schwanger ist. Arbeiterfamilie, Stiefmutter und ein etwas stoffeliger Erzeuger des neuen Lebens machen die Situation nicht einfacher. Aber das war's auch schon mit dem Drama, denn Juno hat ihr Leben fest im Griff, schließlich hat ihr eine 29-jährige Frau mit beachtlicher Lebenserfahrung und -freude die Worte zur Bewältigung der Krise in den Mund gelegt. Ihr und allen anderen Figuren in diesem federleichten Kinotraum.

Konservativ mit Leopardenprint

Denn auch wenn Juno der worst case der Elternfantasie zustößt - schließlich führen Kindermutterschaften doch schnurstracks in die Armut, Verwahrlosung, den realen Nachrichten nach mindestens zu Gewalt, wenn nicht sogar zum Tode - die Heldin ist sicher. Und, in diesem Punkt wären sich Nachrichtensprecherinnen und Familienministerinnen einig, das liegt an der festen Burg Familie, die das Mädchen schützt. "Juno" ist nämlich auch ziemlich konservativ - wenn auch mit Leopardenprint versehen. Ein Loblied auf Vater, Mutter, Kind, nur nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Allerdings ist der Wildkatzendruck so großflächig über die heile Familienwelt, Schulpflicht und Freundschaftsordnung verteilt, dass Vertreter der Rechten in den USA bereits gegen den zu lockeren Umgang mit den Themen Sex und Schwangerschaft gewettert haben. Dabei - und damit ist nicht zuviel verraten - entscheidet sich Juno gegen die Abtreibung, die sie zu Beginn so wunderbar lakonisch über ihr Hamburger-Telefon bestellt, und für das Idealbild einer Familie. Zumindest zuerst. Was folgt, ist Lebensnähe, und auch die meistert "Juno" mit dem Charme der Wortgewandtheit einer Dorothy Parker.

Das ist das Geheimnis der Liebenswürdigkeit dieses Kinoerlebnisses: Da sitzt besagtes Pferdeschwanzmädchen mit einer Pfeife im Mund in einem Sessel neben einer Stehlampe im Vorgarten ihres Vielleicht-Freundes, Auf-jeden-Fall-Samenspenders, um ihm zu sagen, dass er trotz seines jungen Alters bereits seine Gene verteilt hat. Zuerst einmal freut sie sich allerdings über seine "goldenen" Shorts und den dazu passenden Schweissbändern, in denen er gerade zum morgendlichen Joggen aufbrechen will.

Das Lachen, das von tief innen kommt

In diesem Film haben die Worte die Welt an der Leine. Dem Bösen fällt gerade kein Spruch ein. Und so packt Juno Pfeife und Stehlampe wieder ein, um ihr Leben zu meistern. Nicht allein, wie uns das Kino auch immer wieder gerne erzählen mag, sondern mit vereinter Hilfe all der Menschen, die sie aufrichtig lieben. Und das können am Ende manchmal die sein, von denen man es am wenigsten erwartet hat.

"Juno" schenkt Lachen, das von tief innen kommt, das unerwartet aus einem herausbricht, weil der Witz, der die Wahrheit sagt, immer noch der beste ist. Denn auch wenn dieser Film letztlich von konservativen Werten träumt, zeigt er eben Menschen, die ihre Nächsten respektieren und zu ihren Gefühlen stehen. In dieser Teenagerkomödie gehören sogar die Eltern wirklich zur Familie. Witzfiguren gibt es da draußen schließlich schon genug.


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