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"Kops": Verbrecherjagd ohne Verbrecher

In einer schwedischen Kleinstadt sieht sich die örtliche Polizeistation vor ein ernstes Problem gestellt, fehlt es doch ganz einfach an Kriminalität. Ohne die droht die Schließung...

Schweden ist das Land vielbeschäftigter Polizisten, so jedenfalls scheint es in den Krimis der Erfolgsautoren Henning Mankell und Hakan Nesser. In Josef Fares neuem Film "Kops" hingegen ist alles ganz anders. Die Polizisten der Kleinstadt Högsboträsk haben nämlich nur ein Problem: Seit zehn Jahren gibt es hier praktisch keine Kriminalität. Nach seinem Überraschungserfolg mit dem Multikulti-Film "Jalla! Jalla!" gelingt dem 26-jährigen Jungregisseur Fares eine kurzweilige Krimikomödie, die sich in Schweden wochenlang an der Spitze der Kino-Charts behauptete.

Kein Mord, kein Banküberfall, nicht mal ein klitzekleiner Ladendiebstahl. Das Polizisten-Quartett verbringt den Tag damit, Beziehungsprobleme zu wälzen, Hot-Dogs zu essen und ab und zu mal eine entlaufene Kuh einzufangen. Kein Wunder also, dass die Zentrale das kleine Revier angesichts einer Null-komma-Null Verbrechensrate schließen möchte. Doch so leicht lassen sich die Vier nicht entmutigen. Sie beschließen, der Statistik etwas nachzuhelfen. Plötzlich beklagt der Tante-Emma-Laden einen Ladendiebstahl, die Würstchenbude geht in Flammen auf, im Wald hört man Schüsse und Schreie...

Charmant locker erzählte Geschichte

Mit einem Augenzwinkern nimmt Josef Fares, Regisseur und Drehbuchautor in einer Person, Statistik-Gläubigkeit und Rationalisierungseifer aufs Korn. Die Geschichte der Verbrecherjagd ohne Verbrecher erzählt er in charmant lockerem Tonfall, ohne in Klischees zu verfallen. Seine Charaktere sind liebenswerte Kauze. Da ist Jacob (Fares Fares, der Bruder des Regisseurs), der bei seinen Blind-Dates immer wieder auf die Nase fällt. Agneta (Sissela Kyle) möchte, dass ihr Ehemann und Kollege Lasse (Göran Ragnerstam) endlich mal "Ich liebe Dich" zu ihr sagt, und Benny wäre gern ein großer Gangster-Jäger.

Vor lauter Langeweile verfolgt er seine Katze mit gezogenem Revolver durch die Wohnung. Torkel Petersson, auf der Berlinale zu einem der "European Shooting Stars" gewählt, brilliert in der Rolle des Möchtegern-Machos, der abends für seine Kollegen Stirnbänder strickt.

Zitate aus der Film- und Musikgeschichte

"Kops" macht auch deshalb Spaß, weil Josef Fares, der 1987 mit seiner Familie aus dem Libanon nach Schweden kam, seine Geschichte mit Zitaten aus der Film- und Musikgeschichte spickt. Vor allem amerikanische Action-Filme werden aufs Korn genommen. So hat Benny das Vokabular der Hollywood-Cops drauf ("Freeze Motherfuckers!") und fängt in Zeitlupe Revolverkugeln mit den bloßen Händen auf - ganz so wie sein Vorbild in "Matrix". Dass er und Agneta den selben Namen tragen wie zwei Sänger von "Abba", der schwedischsten aller Bands, spricht für sich.

Fares Krimikomödie bietet lockere Unterhaltung, ist aber selten platt. Lediglich gegen Ende des Films verliert der Regisseur seinen Blick für die komischen Situationen des Alltags und überzeichnet. Bei einer vorgegaukelten Entführung gewinnt der Klamauk die Oberhand.

DPA
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