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"Populärmusik aus Vittula": Die Wildnis rockt

Matti und Nilla wachsen in den 1960er Jahren in der nordschwedischen Wildnis auf. Die Rockmusik scheint der einzige Ausweg aus der Provinzenge zu sein. So gründen die beiden eine Band - und machen nebenbei allerlei skurrile Erfahrungen.

Die beiden Freunde Matti (Max Enderfors) und Nilla (Andreas af Enehielm) werden in den frühen 60er Jahren nahe der finnischen Grenze groß. Die Uhren ticken hier im nördlichsten Part Schwedens noch anders: Pädagogik findet vorzugsweise mit dem Lederriemen statt, und das Asphaltieren der Straße ist das größte lokale Ereignis der Dekade. Als die beiden Jungen Bekanntschaft mit der Rockmusik machen, eröffnet ihnen diese eine neue Welt. Vor allem die Beatles und ihr Song "Rock'n'Roll Music" bringt ihre Welt buchstäblich ins Wanken und wird zum Soundtrack einer besseren Jugend.

Die beiden lassen ihre Haare wachsen und streben eine Karriere als Musiker an. Unterstützung bekommen sie dabei von dem neuen Musiklehrer Greger. Der setzt sich dafür ein, dass die Schule ein ordentliches Equipment für eine Rockband anschafft. Mit überaus unkonventionellen Mitteln: Er wettet mit dem Schulleiter, dass er mit seinem Rennrad schneller fährt als der Schulbus. Als er dieses Rennen gewinnt, steht der Band nichts mehr im Weg.

Heranwachsen unter Bauern und Jägern

Inmitten der Welt von Bauern und Jägern wirken die Freunde mit ihrer Leidenschaft ziemlich exotisch. Sie träumen davon, mit ihrer Musik hinaus in die Welt zu kommen. Nebenbei machen sie ihre ersten sexuellen Erfahrungen, erleben ihren ersten Vollrausch und müssen sich ihre Freiheit von den Eltern erkämpfen - manchmal auch mit Gewalt.

Der iranisch-schwedische Regisseur Reza Bagher hat den Erfolgsroman von Mikael Niemi mit furiosem Tempo und überraschenden Effekten inszeniert. Was im Buch nicht weiter stört, wirkt hier allerdings bisweilen ein wenig zerfahren: Der Film ist arg episodisch geraten, eine klare Handlungs- und Entwicklungslinie fehlt. Auch kann sich die Verfilmung nicht entscheiden, wer hier eigentlich der Protagonist sein soll. Doch tut dies dem Unterfangen keinen Abbruch: Spaß macht der Film allemal. Und rockt!

Carsten Heidböhmer

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