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"Silentium": "Halt's Maul - auf Lateinisch"

In der Thriller-Komödie wird der kauzige Privatdetektiv Brenner mit Verbrechen der Kirche und der Salzburger Festspielleitung konfrontiert. Zur Aufklärung benötigt er eine gute Portion Humor - und Aspirin.

Von Carsten Heidböhmer

Der Privatdetektiv Simon Brenner (Josef Hader) hat den Tiefpunkt seines Lebens erreicht: In Salzburg muss er als Kaufhausdetektiv seine Brötchen verdienen. Als er eine Kundin beim Diebstahl erwischt, schenkt man ihm jedoch keinen Glauben - schließlich ist sie die Tochter des angesehenen Festivalpräsidenten - und gibt stattdessen Brenner den Laufpass.

Sehr bald begegnet er der Ladendiebin wieder. Inzwischen frisch verwitwet, beauftragt sie den Ex-Cop, den angeblichen Selbstmord ihres Mannes aufzuklären. Dieser war unter mysteriösen Umständen vom Mönchsberg gestürzt.

Philippininnen im Konvikt

Brenners Spur führt ins Konvikt, und schon bald gerät der Privatdetektiv in ein Netz von kriminellen Machenschaften. Neben schwerer Migräne wird Brenners Kopf von zahlreichen Fragen gequält: Warum arbeiten so viele philippinische Mädchen am Konvikt? Welche Rolle spielt der Präsident der Salzburger Festspiele? Und was hat das Wort Petting zu bedeuten? Bevor Brenner die überraschenden Antworten findet, muss er jede Menge Gefahren überstehen - unter anderem wird er im Stil von Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" von einem Modellflugzeug gejagt.

"Silentium" basiert auf dem gleichnamigen Buch von Wolf Haas, dessen schräge Kriminalromane zum Besten gehören, was im deutschsprachigen Raum erscheint. Mit dem Privatdetektiv Brenner ist Haas eine originelle Hauptfigur gelungen, die den kauzigen Humor des Autors ideal transportiert. Regisseur Wolfgang Murnberger hatte mit "Komm, süßer Tod" vor einigen Jahren bereits schon einmal einen Haas-Roman erfolgreich verfilmt. Auch damals wurde Simon Brenner von dem österreichischen Kabarettisten Josef Hader kongenial verkörpert.

Glänzende Schauspieler

Die tiefschwarze Thriller-Groteske ist bis in die Nebenrollen herausragend besetzt: Joachim Król geistert als zwielichtiger Pater durch die Katakomben der Stadt, Jürgen Tarrach gibt herrlich schmierig einen perversen Opernsänger, Udo Samel glänzt als korrupter Festspieldirektor und Regie-Rebell Christoph Schlingensief spielt zuallererst sich selbst. Für die Apothekerin, die den migränegeplagten Brenner mit Aspirin versorgt, konnte die angesehene Theaterschauspielerin Anne Bennent gewonnen werden.

Bei dem zynisch-morbiden Angriff auf die Salzburger Gesellschaft bekommen sowohl geistliche Würdenträger als auch das ehrenwerte Bildungsbürgertum ihr Fett weg - und das auf höchst humorvolle Art und Weise. Gleichzeitig leistet sich der Film einige unnötige Brutalitäten, die hier lieber nicht näher ausgeschmückt werden sollen. Denn wie erklärt Pater Fitz dem Brenner die Bedeutung des Wortes "Silentium": "Halt's Maul! - auf Lateinisch".

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