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"Silver Linings" im Kino: Bradley Cooper jenseits von "Hangover"

Ein seltsamer Titel und ein Hauptdarsteller im Müllsack. In "Silver Linings" kommt Bradley Cooper groß raus. Einen berühmten Filmvater gibt es auch.

Kinotrailer: "Silver Linings"

Das "People"-Magazin wählte ihn vergangenes Jahr zum "Sexiest Man Alive". In seinem neuen Film geht Bradley Cooper im Müllsack joggen, um mehr zu schwitzen. Bekannt wurde der 37-jährige Amerikaner durch die Männerstory "Hangover". In der Komödie "Silver Linings" spielt er nun an der Seite von Robert De Niro und Jennifer Lawrence einen gestrandeten Charakter mit einer bipolaren Störung. Dieses Problem hat auch die Agentin aus der TV-Serie "Homeland". Jahrzehnte nach dem Drama "Einer flog über das Kuckucksnest" geht es wieder einmal um die Folgen von psychischen Krankheiten.

Die Romanadaption von David O. Russell ("The Fighter") beginnt mit einer Szene wie aus dem "Kuckucksnest", in einer Psychiatrie. Pat Solatano (Cooper) wird entlassen und kehrt mit seiner Mutter ins Elternhaus zurück. Er hat den Liebhaber seiner Frau unter der Dusche erwischt und attackiert, darf sich ihr nicht mehr nähern und will sie doch zurückgewinnen. Die Narbe an der Nase und die geweiteten Pupillen lassen den Zuschauer ahnen: Dieser Mann muss erst noch ins Leben zurückfinden. Pat bekommt Tobsuchtsanfälle, wenn ihm bei Hemingway das Ende nicht passt oder wenn er ein Hochzeitsvideo nicht findet. Er prügelt sich sogar mit seinem Vater (De Niro).

Zwei gestrandete Seelen beim Tanzwettbewerb

Es ist ein Szenario wie aus der Drehbuchschule. Der Held will etwas unbedingt - normal sein, seine Frau zurück erobern - und hat Schwierigkeiten, es zu bekommen. Kann Pat seinen Weg finden? Schwung in die Geschichte bringt die junge Tiffany (Lawrence), die er bei einem Abendessen trifft. Beide plaudern gerne über Psychopharmaka, zwei gestrandete Seelen also. Tiffany verspricht ihm einen Gefallen, trotz der Kontaktsperre einen Brief an seine Ehefrau weiterzuleiten. Dafür überredet sie Pat, an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen. "Dirty Dancing" lässt grüßen. Das Ende im Schoße der Familie passt zu einem winterlichen Kinonachmittag.

Es ist eine Komödie, die wie Pat zwischen Schmerz und Witz changiert. "Silver Linings" bedeutet so viel wie der Silberstreif, den man am Horizont sieht, wenn man hart an sich arbeitet - so wie Pat. Auch wenn nicht alles an dieser Komödie überzeugt - die Chemie zwischen Cooper und der erst 22 Jahre alten Jennifer Lawrence ("Die Tribute von Panem", "Winter's Bone") stimmt. Robert De Niro und Jacki Weaver sind als gealtertes Paar im altmodischen Ehebett ein herzerwärmender Anblick. Beim Festival in Toronto gab es den Publikumspreis für die Komödie. Cooper und Lawrence dürfen in der Sparte beste Hauptdarsteller auf einen Golden Globe hoffen.

Caroline Bock, DPA / DPA