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"Stirb Langsam 4.0": Bruce Willis und der verhaltensgestörte E.T.

Bruce Willis ist zurück, als der New Yorker Cop John McClane, der die Welt schon drei Mal gerettet hat. In der vierten Folge von "Stirb Langsam" muss er sich mit Computer-Hacker-Schurken prügeln, die in die digitalen Schaltzentralen Amerikas einbrechen. Der Film lässt die Achtziger noch einmal aufleben.

Von Florian Güßgen

Es liegt nicht an Bruce Willis. Der ist gut. Und irgendwie der Alte: Er spielt John McClane, den New Yorker Cop, einen normalen Bulle mit einer glorreichen Vergangenheit ("Stirb Langsam 1.0 ff"), und einer tristen Gegenwart. Die Frau ist schon lange weg, die Tochter hat genug von ihm. Auch schon lange. Sympathisch ist er trotzdem. Ein Kumpel. Geerdet. Und in "Stirb Langsam 4.0" darf McClane ja auch wieder über sich selbst herauswachsen - und die Welt retten.

Einbruch in die digitalen Schaltzentralen Amerikas

Bedroht wird Amerika diesmal von fiesen Computer-Hacker-Schurken. Der oberste Schurke heißt Thomas Gabriel (Timothy Olyphant). Dieser startet ausgerechnet am amerikanischen Unabhängigkeitstag einen digitalen Frontalangriff auf die Nation: Mit der unfreiwilligen Hilfe jugendlicher Computer-Streber bricht er in die virtuellen Schaltzentralen der Regierungsrechner ein. Urplötzlich steuert er die ganze Infrastruktur des Landes: Ampeln, Energiekraftwerke, Kameras. Alles. Alles. Alles. Sein Ziel: Chaos und Zerstörung. Alles, so die Botschaft, hängt an Rechnern. Weil die digitale Welt verwundbar ist, sind wir verwundbar. Schöne, neue, gefährliche Welt.

McClane steht für ganz großes Kino

Dabei sind wir natürlich nicht so verwundbar, dass uns ein Held nicht erretten könnte: John McClane eben, der normale Bulle, der sympathische Bulle, der sarkastische Bulle, der Bulle, der im ersten "Stirb Langsam" anno 1988 so brillant war, dessen Schlachtruf "Yippiekayeah, motherfucker!" zum zwingenden Zitate-Kanon der Filmgeschichte gehört. Ende der Achtziger setzte McClane den tumben Prügel-Filmen einen neuartigen Action-Helden entgegen, mit Witz und Ironie, eingebettet in eine dichte, spannende Dramaturgie. Ganz großes Kino. In den Achtzigern.

Tempi Passati. John McClane ist zwar älter geworden, aber der Alte geblieben. Geändert haben sich nur die Zeiten. Und genau das verwandelt die vierte Version des gleichen Themas in eine Retro-Show. Denn es fehlt McClane nicht an Energie - das soll ihm erst einmal einer nachmachen, einen Hubschrauber mit einem Auto abzuschießen. Es fehlt ihm auch nicht an Witz. Die Wortwechsel mit dem jungen Computer-Streber an seiner Seite (Justin Long), der ihn quasi gegenwartsfest macht, sind stellenweise recht unterhaltsam. Aber dennoch will echte Spannung nicht aufkommen. Zu vorhersagbar ist die Handlung, zu überkommen die Inszenierung: "Stirb Langsam 4.0" wirkt verstaubt, unzeitgemäß, wie ein altes Kleidungsstück, das man in einer Kiste auf dem Dachboden findet. Ein letzter Blick zurück in die Achtziger.

Ein verhaltensgestörter E.T.

Verschlimmernd kommt hinzu, dass zum Teil Filmtricks präsentiert werden, wie man sie vielleicht in der Serie rund um das Raumschiff Orion in den Sechzigern erwartet hätte, aber nicht heute: Wenn etwa ein Düsenjet vor einer zusammenbrechenden Autobahnbrücke in der Luft quasi hubschrauberartig zum Stehen kommt, dann wirkt das, als handele es sich um einen verhaltensgestörten Spielbergschen E.T..

Aber einerlei, wer Bruce Willis mag, wer mag, wie McClane sich prügelnd durchs Leben rettet, wie er seine schöne Gegnerin (Maggie Q) per Faustschlag ins Gesicht so gar nicht politisch korrekt und frauenfreundlich behandelt, wer beobachten will, wie er seine Tochter doch noch für sich gewinnen kann, und wer überdies noch 127 Minuten Zeit hat, der kann sich bei "Stirb Langsam 4.0" möglicherweise doch vergnügen. Es ist ja so, dass sie hin und wieder doch ganz schön sind, diese Ausflüge auf den Speicher. In die Achtziger. Und Bruce Willis, der kann ja ohnehin nichts dafür.

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