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"Stolz und Vorurteil": Fünf Jungfrauen auf der Suche nach Mr. Right

Janes Austens "Stolz und Vorurteil" ist das historische Vorbild aller Frauenromane, "Bridget Jones" in Mieder und Korsage. Die aktuelle Verfilmung ist aber alles andere als verstaubt, sondern glänzt durch spritzige Dialoge.

Wer sich noch gerne an Ang Lees meisterliche Literaturverfilmung "Sinn und Sinnlichkeit" aus dem Jahr 1996 erinnert, der ist gut beraten, ab dem 20. Oktober einen Kinobesuch einzuplanen: Dann kommt nämlich ein anderer berühmter Roman der englischen Schriftstellerin Jane Austen aus der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts unter dem Titel "Stolz und Vorurteil" auf die Leinwand. Damit gibt Joe Wright, der bislang mit kritischen TV-Dramen auf sich aufmerksam machte, ein gelungenes Kinodebüt.

"Stolz und Vorurteil" ist so etwas wie die Mutter aller Frauenromane. In einer ersten Fassung von der knapp 21-jährigen Austen 1797 geschrieben, aber erst 1813 - vier Jahre vor ihrem frühen Tod - anonym veröffentlicht, baute das Buch ein tausendfach kopiertes Modell auf: Eine Frau, zwei Männer, der eine ist auf den ersten Blick arrogant und kaltherzig, hat aber ein gutes Herz, der andere ein attraktiver Charmeur, der sich jedoch am Ende als Mistkerl entpuppt.

Dabei legten die Restriktionen der Epoche der Geschichte ihren Stempel auf: Da in der Familie Bennet nur Töchter zur Welt kamen, wird die gesamte Erbschaft einem anderen - männlichen - Verwandten zufallen. Also müssen möglichst alle jungen Frauen mit allen Mitteln verheiratet werden, um ihr Auskommen zu sichern. Als Erste ist die älteste Schwester Jane dran, die sich in den wohlhabenden Aristokraten Mr. Bingley verguckt, dem Glück jedoch die Standesunterschiede im Wege stehen.

Mr Darcy diente Bridget-Jones-Autorin Helen Fielding als Vorlage

Während Jane eher dem Rollenmodell der Zeit entspricht, ist die zweite Tochter Elizabeth (Knightley) - die eigentliche Heldin von Buch und Film - aufgeweckt, freiheitsliebend und schlagfertig. In einem für die Epoche höchst rebellischen Schritt, weist sie den Heiratsantrag des abstoßenden Familienerben Mr. Collins zurück, mit der für damalige Verhältnisse lachhaften Begründung, sie liebe ihn nicht. Zugleich schwirren zwei andere Männer durch ihre Gedanken: Der intelligente, aber hochnäsige Mr. Darcy (der übrigens "Bridget Jones"-Autorin Helen Fielding als Vorlage zu ihrem Mr. Darcy diente) und der fröhliche Lebemann Mr. Wickham, die tief verfeindet zu sein scheinen.

Hervorragende Besetzung mit Star-Schauspielern und brilliante Dialoge

Austen wusste, wovon sie schrieb: Ihr selbst wurde eine Liebesheirat von der Familie aus finanziellen untersagt. Das Aufbegehren der Elizabeth Bennet war somit eine Art feministische Traumvision, die natürlich in den vergangenen zwei Jahrhunderten deutlich an Brisanz eingebüßt hat. Die zierliche Knightley, die "Doktor Schiwago" und "Krieg und Frieden" als ihre Lieblingsbücher nennt und im Kinderzimmer mit "Stolz und Vorurteil"-Puppen gespielt hat, erwies sich mit ihrer unschuldigen Schönheit und frechem Charme als Idealbesetzung. Mit Brenda Blethyn und Donald Sutherland als altes Ehepaar Bennet sowie Judi Dench als arrogante Lady sind die Senioren-Rollen herausragend besetzt. Der in Deutschland noch fast unbekannte Matthew Macfayden spielt sensibel den Schnösel mit Herz, die übrigen vier Bennet-Töchter bekommen von ihren Darstellerinnen durchaus eigene Kontur. Die Musik von Dario Marianelli, ein Filmkomponist mit Zukunft, ist eingängig, aber nicht aufdringlich.

Das muss man den Briten lassen: Sie lieben und pflegen ihre Klassiker wie kaum ein anderes Volk in Europa. Die Deutschen, gewiss nicht mit weniger literarischen Schätzen der Vergangenheit im Gepäck, bringen einfach keine historischen Kinofilme von der Klasse und Frische wie "Stolz und Vorurteil" auf die Leinwände – obwohl es an guten Schauspielern hierzulande auch nicht mangeln würde.

DPA/AP / AP / DPA