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"Stürmische Liebe": Madonnas neue Leinwand-Katastrophe

Die Strand-Romanze "Stürmische Liebe" lockt nur Spötter und echte Fans in die Kinos - für den "Soft-Core-Kitsch" gab es in den USA leere Kassen und fünf Himbeeren.

Sie hat es schon wieder getan: Madonna, millionenschwerer Popstar, möchte immer noch Schauspielerin werden. Mit ihrem Mann, dem britischen Regisseur Guy Ritchie, hat sie sich mit dem Melodram "Stürmische Liebe", das am 19. Juni 2003, anläuft, an ein Remake einer schrägen italienischen Liebesfarce von Lina Wertmüller aus dem Jahre 1974 gewagt. Das Original wirkt wie maßgeschneidert, um das einst provozierende Image der brav und esoterisch gewordenen Mutter, die neuerdings das Loblied innerer Werte singt, wieder etwas zu beleben.

Ein Fest für die Kritik-Geier

Die unermüdliche Stehauffrau hat es also wieder probiert, und ist wieder auf die Nase gefallen: Wie die Geier haben sich britische Filmkritiker über den Streifen hergemacht, denn es macht halt Spaß, diesem selbstbewussten Weltstar am Zeug zu flicken. Madonna spielt die amerikanische Upper-Class-Zimtzicke Amber, die mit ihren versnobten Freunden auf einem samt Besatzung gecharterten Schiff eine Mittelmeerkreuzfahrt unternimmt. Mangels anderer Angriffsflächen - der Ehemann ist eine lahme Ente und die Freunde durch Sonne und Suff außer Gefecht gesetzt - triezt sie bis aufs Blut den Hilfskoch und Mann für alles, Giuseppe.

Auf der Insel mutiert das Biest zur Masochistin

Bis das Biest eines Tages mit Giuseppe auf einer einsamen Insel strandet, ohne Boot und ohne Handy. Nicht nur die Kitschromanleserin weiß, dass sich die zwei vor azurblauer Trauminselkulisse leidenschaftlich an die spärliche Wäsche gehen werden. Doch bis dahin gibt es manch starken Tobak zu verkraften: Giuseppe, Fischer und Nahrungsbeschaffer, dreht den Spieß um und demütigt die parasitäre Millionärin nach Herzenslust, befiehlt ihr, seine Wäsche zu waschen und ihn "Gebieter" zu nennen. Sie küsst ihm die Füße und gibt sich ihm bald begeistert hin. Ein Mikrokosmos archaischer Ausbeutung, auf Geschlechterebene verlagert: Zum feministisch höchst anstößigen Geschehen fallen zwischendurch noch ein paar saftig antikapitalistische Sprüche.

Mehr Gesang als Provokation

Zu aufgesetzt ist jedoch der Geschlechterkrampf, zu politisch zahnlos die Attitüde, um irgendjemand ernsthaft aufzuregen. Wusste man bei der unkonventionellen Linken Lina Wertmüller nie, ob das Macho-Frauchen-Szenario nicht einfach ein erotisch-parodistisches Meister/Sklave-Spielchen war, so können Madonna und ihr Galan mit Wertmüllers Provokationen nichts anfangen. Und was das ängstliche Drehbuch an provokanten Original-Szenen weglässt, wird durch Gesangs- und Tanzeinlagen ersetzt - die jedoch das Läppische des Geschehens noch unterstreichen.

Gestählter Body ersetzt keine Darstellungskunst

Madonna, die anfangs mit sichtbarer Selbstironie eine monströse Egoistin gibt, ist als vorbehaltlos Liebende überdies wenig überzeugend. Ihr Spiel ist leider so grobgeschnitzt wie ihr Bizeps, dem man das disziplinierte Bodybuilding anmerkt. Man sieht nicht die durch Liebe erleuchtete Amber, sondern immer nur die fitnessgestählte über 40-jährige Diva, die sich super gehalten hat; Madonna im Strandanzug, im Bikini, wie sie leibt, lebt und posiert. Obwohl die Sängerin unleugbar Präsenz besitzt, wird man des Schauspiels müde.

Auf der Leinwand mehr daneben als stilsicher

Zumal die sizilianische Macho-Nummer des glutäugig schönen, aber tumben Giuseppe - gespielt von Adriano Giannini, Sohn des Wertmüller-Darstellers Giancarlo Giannini - reichlich hilflos wirkt angesichts dieser Powerfrau. Eines konnte man ihr nie absprechen: Mut und Stilsicherheit, und stets lag sie richtig in ihren Selbstinszenierungen. Auf der Leinwand aber will ihr Charisma einfach nicht funktionieren. Zum sentimentalen und unfreiwillig komischen Ende vergreift sich der Film schließlich so sehr im Ton, wie es Madonna, der Sängerin, nie passieren würde. Schade: Dieser Film hätte auch interessant missglücken können.

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