"The Doors: When You're Strange" Dokumentarfilmer DiCillo feiert Jim Morrison und Band


Independentfilmer Tom DiCillo hat in seiner Dokumentation über die berühmte Band "The Doors" versucht, sich auf eine realitätsnahe Darstellung der Musiker zu konzentrieren und sich dabei auf Archivmaterial gestützt.

Sie hatten gerade einmal sechs Jahre Zeit, um Musik-Geschichte zu schreiben. Doch die schrieben sie - und was für eine. The Doors waren die Band der ausgehenden 60er Jahre, lieferten den Soundtrack zu drogengeschwängerten Partys von Hippies, Vietnam- Kriegsgegnern und aufbegehrenden Studenten. Der frühe Tod von Frontmann Jim Morrison ließ ihn sowie die Band zur Legende werden. Fast 20 Jahre nach dem beeindruckenden Oliver-Stone-Film "The Doors" mit Val Kilmer in der Rolle Morrisons legt nun Regisseur Tom DiCillo seine ebenso eindrucksvolle Dokumentation "The Doors: When You're Strange" vor.

DiCillo ("Echt blond", "Living in Oblivion") montiert ausschließlich Originalmaterial aus den 60ern und 70ern, darunter viele dokumentarische Konzertausschnitte, Band-Proben, einige szenische Aufnahmen Morrisons sowie Politisch-Historisches. Die mittlerweile zum Doku-Standard gehörenden Interviews prominenter Zeitgenossen vor dunklem Hintergrund sucht man vergebens, vermisst man aber auch nie. Stattdessen lässt DiCillo die Bilder sprechen und Hollywoodstar Johnny Depp, der Informationen ebenso wie Interpretationen des Filmemachers liefert.

DiCillo zeichnet den Werdegang der Band vor dem Hintergrund des amerikanischen Trauma-Jahrzehnts: Die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King, der immer stärker ausbrechende Rassenkonflikt, der verheerende Vietnam-Krieg, die zunehmenden Proteste der Jugend, die sich mehr und mehr von der Väter-Generation abwendet - all das bildete ideale Voraussetzungen für den Aufstieg der Doors.

Eine Band, die zunächst vor allem stilistisch neue Maßstäbe setzte: Der leidenschaftliche, übers Stöhnen bis zum Kreischen reichende Gesang des unausgebildeten Sängers Morrison, der psychedelische Sound von Keyboarder Ray Manzarek, das Flamenco- inspirierte Bottleneck-Gitarrenspiel Robby Kriegers und das treibende Schlagzeug von John Densmore, der als Ersatz für den fehlenden Bassisten den Rhythmus halten musste - all das war neu, aufregend und ungehört.

Und dann dieser James Douglas Morrison, eine absolute Ausnahmeerscheinung: Dieser introvertierte Gedichteschreiber, mehr Rock-Poet denn Rocker, der bereits als Teenager Rimbaud und Nietzsche liest, bewegt sich zunächst schüchtern auf der Bühne, wirkt gehemmt, unsicher, dreht dem Publikum minutenlang den Rücken zu. Doch der Erfolg, die Drogen, der Alkohol verändern ihn: Morrison wird zur Stilikone, verausgabt sich auf der Bühne, provoziert Fans und Polizei, gibt Leidenschaft, Enthusiasmus, pure Energie - und verbrennt dabei selbst innerlich.

Die 86-minütige Doku, konventionell chronologisch erzählt, zeigt eindringlich, wie die Band als Kollektiv funktionierte und durch die Präsenz Morrisons zu ungeahnten Höhen geführt wurde, wie sie sich zunehmend gesellschaftspolitisch artikulierte und zum Feindbild des konservativen Amerika wurde, wie sie aber auch unter Morrisons Exzessen und Egotrips litt und daran auch so gut wie zerbrach. Sein früher Tod 1971 im Alter von nur 27 Jahren - in diesem Alter starben auch Jimi Hendrix und Janis Joplin kurz zuvor - erscheint beinahe zwangsläufig.

Die Legende Doors und die Legende Morrison leben damit weiter. Und die Musik sowieso, wie der Soundtrack zum Film mit Klassikern wie "Light My Fire", "Riders On The Storm", "L.A. Woman" und "Break On Through" eindrücklich beweist, ergänzt um Interviews mit den Bandmitgliedern und Gedichte Morrisons, gelesen von Johnny Depp.

P. T. Neumann, DPA DPA

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