HOME

"The Kids Are All Right" neu im Kino: Auftauchen des "Bio-Dads"

Seitensprung mit Papa: In der neuen Komödie "The Kids Are All Right" dreht sich alles um die etwas andere Familie. Die Teenager zwei Mütter suchen ihren leiblichen Vater - und finden das muntere Chaos.

Den Teenagern Joni und Laser fehlt es an nichts; ihr Familienleben ist zwar unorthodox, aber ausgesprochen harmonisch. Dennoch wollen die beiden Halbgeschwister in der am 18.11. anlaufenden Komödie "The Kids Are All Right" wissen, wer ihr leiblicher Vater ist und suchen den Samenspender, von dem sich ihre beiden Mütter Nic und Jules künstlich befruchten ließen. Doch das Auftauchen des "Bio-Dads" löst ein familiäres Erdbeben aus, das die Idylle zu zerstören droht.

Papa ante portas: Zunächst nehmen ihre "Moms", wie die Kinder ihr lesbisches Elternpaar nennen, die Nachricht von Auffinden des biologischen Vaters Paul, den Joni über die Samenbank-Datei dingfest gemacht hat, mit angestrengter Gelassenheit auf. Biorestaurant-Besitzer Paul wohnt gleich um die Ecke und erweist sich als cooler Typ, der mit seiner lockeren Art die ziellos pubertierenden Kids in seinen Bann zieht - und auch Jules, die mit dem knackigen Single eine hitzige Affäre beginnt. Sodom und Gomorrha! So zumindest hätten die FSK-Sittenwächter noch vor einer Generation über diesen multisexuellen Sündenpfuhl geschimpft.

Heutzutage aber führt diese postmoderne Ehebruchskonstellation zu einer herzigen Feelgood-Komödie, die das Kunststück fertig bringt, frivol und konservativ zugleich zu sein. Konventionell ist bereits das Familienmodell mit Ärztin Nic in der gestressten Ernährerrolle, während Hausfrau Jules sich vernachlässigt fühlt und sich als Landschaftsgärtnerin selbstständig machen will. Traditionell ist auch die Durchhaltebotschaft, in der Selbstverwirklichung hinter familiärer Krisenbewältigung zurücksteht. Sogar der tolle Paul, der bisher auf seiner Harley stolz und allein durchs Leben brauste, folgt dem Ruf des Blutes und will sich ins gemachte Nest kuscheln.

"Schade, dass du nicht schwul bist, dann wärst du sensibler", sagt Papamama Nic einmal zu ihrem Sohn: Regisseurin Lisa Cholodenko, die selbst Frau und Kind hat, versteht sich auf sensible Milieu- und Figurenzeichnung, scheut sich aber auch nicht, dem Affen Zucker zu geben. Das "Lass uns darüber reden!", die politisch korrekten Manierismen und das durchsonnte Schöner-Wohnen-Ambiente dieser kalifornischen Edel-Alternativen wird mit dramaturgischem Augenrollen, erfreulich oft aber auch mit Lust am Burlesken aufs Korn genommen. Um etwa das müde Sexleben aufzupeppen, werfen die beiden Frauen schon mal einen Schwulenporno ein.

Zwischen Jules - eine hinreißende Julianne Moore im Modus eines tollpatschigen späten Hippiemädchens - und dem kernigen Paul dagegen brennt die Luft. Als heißeste Versuchung seit Brad Pitt in "Thelma & Louise" tritt der behaarte, entspannt grinsende Mark Ruffalo gegen Annette Bening als dünne, perfektionistische Nic an, die sich für die heile Familienwelt abrackert. Das hochkarätige Ensemble wird ergänzt durch Mia Wasiskowska ("Alice im Wunderland") als Joni und Kinderstar Josh Hutcherson als ihr Bruder, den der familiäre Östrogenüberschuss mitunter melancholisch stimmt.

Man spürt, dass Independent-Filmemacherin Cholodenko, die zuletzt 2002 mit der Sittenkomödie "Laurel Canyon" mit Frances McDormand ins hiesige Kino kam, jahrelang am Drehbuch feilte, um ein schwergewichtiges Thema wie die Ehe und ihre Fallstricke so leichtfüßig darzustellen. Ungeachtet der sexuellen Orientierung werden Paarkonflikte treffend und humorvoll vermittelt. Und wenn sich in den Dialogen zwischen Nichtgesagtem und verbalen Fettnäpfchen die Stimmung auflädt, wird auch der Zuschauer ganz kribbelig. Gegen diese gewitzte Komödie sieht jeder andere Familienschwank dieser Saison fad aus.

Birgit Roschym APN
Themen in diesem Artikel