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"Trip - Remix your Experience": Frank Otto geht auf Psychedelic-Reise

Der umtriebige Versandhauserbe Frank Otto hat wieder ein neues Projekt: Für das Multimedia-Experiment "Trip" lässt er 33 Regisseure ihre Geschichten erzählen. Dazu hat Otto die Musik komponiert. Das sphärische Projekt geht jetzt auf Deutschlandtournee.

Den einfachen Weg hat der Hamburger Medienunternehmer Frank Otto schon oft in seinem Leben ignoriert. Statt ins väterliche Unternehmen einzusteigen, begann der Versandhauserbe ein Kunststudium und tourte als Schlagzeuger durchs Land. Sein Aufbegehren gegen den großen Namen des Vaters trieb den rebellischen Spross zu Anti-Atom-Demonstranten und Hausbesetzern. Unkonventionell und ein bisschen schräg ist der 49-Jährige bis heute geblieben, wie die Deutschlandpremiere seines größten Projekts am Donnerstag in Hamburg beweisen wird - das Multimedia-Werk "Trip - Remix Your Experience", mit dem Otto wieder ungewöhnliche Wege geht.

Leidenschaftlicher Drummer

"Trip ist das Ergebnis einer fast vier Jahre dauernden Zeitreise", sagt der Mann mit den dunkelblonden Haaren, die er nach wie vor schulterlang trägt. "Die Überlegung war, Musik zu visualisieren." Gemeinsam mit seinem Freund Bernt Köhler-Adams, Musiker, ehemaliger Lehrer und Szene-Koch, hatte er die Idee zu dem Kinofilm. "Am Anfang unseres Projekts war die Musik", erzählt der leidenschaftliche Drummer, der in den achtziger Jahren mit den Bands City Nord und Goya mehrere Schallplatten veröffentlichte. Drei Monate lang haben sie an der Komposition gefeilt. "Eine One-Track-Symphonie nach dem Motto: Fuck the Format. Anders eben als das übliche Pop-Musik-Einerlei", meint Otto.

Psychedelisch angehauchte Musik- und Filmkunst

Der Musikproduzent, Gründervater von OK-Radio, Deutschlands erstem Format-Radiosender, und Mitbegründer von VIVA TV teilt die Kritik an der Verflachung der Musikprogramme. Zugleich spornte sie Otto an. "Ich spürte, dass ich wieder Musik machen musste", erzählt er. Mit den Songs seiner Jugend wollte er sich auseinander setzen, der Musik von Pink Floyd oder Birth Control. Diese hatte der junge Otto noch in Internaten gehört. Auch das WG-Leben kennt der Zweitgeborene des Versandhausgründer Werner Otto, der sich für Franks Mutter von seiner dritten Ehefrau trennte. "Ich wollte viel ausprobieren, es allein schaffen", sagt er. Heute hat er das Tonstudio gleich in seiner Villa, in der er mit Lebensgefährtin Stefanie, 31, und den beiden gemeinsamen Kindern lebt.

Parallelwelten auf einer viergeteilten Split-Screen

Mit "Trip" kehrt der Medienunternehmer, der einst die Hamburger Morgenpost vor dem Bankrott rettete, zurück zu seinen Wurzeln - zur Musik ebenso wie zur Kunst. Ausschließlich die Klänge geben die Dramaturgie des farbenfrohen Bilderrauschs vor, den Zuschauer erwartet nicht nur ein Film, sondern vier. Auf einer Split-Screen geben quadratisch angeordnete Bildfenster Einblick in verschiedene Parallelwelten - von Unterwasseraufnahmen bis hin zu einem Gemälde. Letzteres schuf der Künstler Otto, der in Kiel Malerei studiert hat, selbst. Auf dem 260 Quadratmeter großen Boden einer Halle malte er seine Fortsetzung der "kleinen Meerjungfrau".

Neuer Plan: Pop-Art-Museum für Hamburg

Seiner Leidenschaft für Kunst frönt Otto in vielerlei Hinsicht, den jüngsten Traum will er mit Architekt Frank Stella verwirklichen: ein Pop-Art-Museum für Hamburg. "Im Moment suchen wir den geeigneten Standort, aber die Stadt hat Unterstützung signalisiert", erzählt der umtriebige 49-Jährige, für den Zeit das "kostbarste Gut" ist. Neben dem Hörfunk ist er am Ballungsraumfernsehen beteiligt, zudem hat er vier Musiklabels mitgegründet. Daneben unterstützt Otto Vereine wie Hamburg Leuchtfeuer, engagiert sich für den Pop-Kurs in der Hansestadt. Doch erst einmal geht er mit "Trip" auf bundesweite Tour und hofft, "dass sich die Zuschauer auf das Experiment einlassen". Otto: "Diesmal ist der Weg nicht das Ziel, sondern das Ziel im Weg."

Mehr Infos zu "Trip - Remix your Experience" gibt es unter www.trip-movie.com

DPA / DPA
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