HOME

ACADEMY-AWARD: Kidman, Spacek und Berry buhlen um den Oscar

Beim Rennen um den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle konkurrieren fünf Top-Stars miteinander. Die besten Chancen haben Nicole Kidman, Sissy Spacek und Halle Berry.

Selten war das Rennen um den Oscar für die beste Schauspielerin so spannend wie in diesem Jahr. Als aussichtsreichste Anwärterinnen gelten Nicole Kidman, Sissy Spacek und Halle Berry.

Happy End für Kidman?

Für die 34-jährige Kidman wäre es sicher wie das Happy End eines Kinomärchens, wenn sie das neue Kodak-Theater in Hollywood mit der wichtigsten Auszeichnung verlassen könnte, die die Filmindustrie zu vergeben hat. Das zurückliegende Jahr war für die groß gewachsene Rothaarige beruflich das bisher erfolgreichste, aber auch privat eines der schwierigsten. Kidman musste die Scheidung von Tom Cruise und eine Fehlgeburt verkraften. Und so wäre sie sicher eine Gewinnerin, wenn es bei der Oscar-Entscheidung allein um die Sympathie des Publikums ginge.

Golden Globe für Rolle in »Moulin Rouge«

Aber auch so dürfte Kidman gute Chancen haben. Für ihre Rolle als Kurtisane in der Musical-Verfilmung »Moulin Rouge« bekam sie bereits einen Golden Globe, erhielt den Beifall vieler Kritiker für den Thriller »The Others« und nahm mit dem britischen Popstar Robbie Williams ein viel beachtestes Remake des Duetts »Something Stupid« von Frank und Nancy Sinatra auf.

Von der ausrangierten Ehefrau zum Superstar

»Die Sympathie-Wahl ist ein sehr wichtiger Faktor«, sagt Tom O?Neil, Autor des Buches »The Ultimate Guide to the Oscars« (Der ultimative Oscar-Führer). Diese Sympathie gelte Kidman nicht nur, weil sie von Cruise verlassen worden sei, sondern vor allem, weil sie es geschafft habe, »von der ausrangierten Mrs. Tom Cruise zum Superstar Nicole Kidman zu werden«, sagte O?Neil. »Das ist eine Aschenputtel-Geschichte aus Hollywood, die sie mit einem Oscar krönen könnten.«

Sissy Spacek feiert grandioses Comeback

Doch das wahre Leben läuft selten wie ein Film und Kidman sieht sich im Rennen um die goldene Trophäe scharfer Konkurrenz gegenüber. Die 52-jährige Sissy Spacek feiert nach Jahren außerhalb des Rampenlichts gerade ein großes Comeback mit ihrer Hauptrolle einer trauernden Mutter in dem Drama »In the Bedroom«, für die sie bereits eine Hand voll Preise einheimste.

Erstaunlicher Erfolg

Ihr gegenwärtiger Erfolg ist umso erstaunlicher, als die Filmindustrie normalerweise Frauen meidet, die es wagen, ihre Altersfältchen öffentlich zu zeigen. Spacek hatte sich Mitte der achtziger Jahre aus dem Geschäft zurückgezogen, um eine Familie zu gründen. 1980 hatte sie schon einmal einen Oscar für den Film »Coal Miner?s Daughter« erhalten, in dem sie den Country-Star Lorretta Lynn spielte.

Halle Berry hat ebenfalls beste Chancen

»In the Bedroom« wird Spacek den zweiten Oscar bringen, dieser Meinung war auch Richard Schickel, Filmkritiker des »Time Magazine«. Bis Halle Berry in der vergangenen Woche Kidman und Spacek mit einer Auszeichnung der US-amerikanischen Schauspieler-Gilde für »Monster?s Ball« aus dem Feld schlug. »Ich dachte eine Weile, Sissy Spacek habe den Oscar sicher, aber nun komme ich mehr und mehr zu der Ansicht, dass es Halle Berry machen wird,« sagt Schickel.

Langsam aber stetig bergauf

Die 33-Jährige, deren Karriere bislang langsam, aber stetig bergauf verlief, stellt in »Monster?s Ball«, einem Drama um Rassismus, eine Frau dar, deren Leben von Trauer und Wut bestimmt wird. Von der Kritik gelobt, hat der Film an den Kinokassen bisher nur mäßigen Erfolg. Halle Berry ist schwarz und schon seit längerem wird im Vorfeld der diesjährigen Oscar-Verleihung darüber geredet, dass die Filmindustrie in der Vergangenheit zu häufig die Leistungen von Schauspielern missachtet hat, die Minderheiten angehören. Schickel: »Ihre (Berrys) Arbeit ist gut und es ist gut möglich, dass auch die Presseberichterstattung entsprechenden Einfluss auf die Entscheidung der Jury haben wird.«

Judi Dench und Renée Zellweger Außenseiter

Nur geringe Chancen werden in diesem Jahr Oscar-Gewinnerin Judi Dench für ihre Rolle in »Iris« und Renée Zellweger für ihre Rolle als »Bridget Jones« eingeräumt.